SchlagwortBerlin

220801 Traum, Minigolf

TRAUM

ich träume von fliegenden Autos. sie stehen auf einem Rollfeld verteilt und fliegen, hüpfend vor (wie Mücken). stoße zu: Musikern (Rapper).
»was ich so mache? – ich komme von der Kunsthochschule.«
sie nicken, die kennen sie.

meine Nachbarin ist auch da. sie und ihr Freund sitzen sich gegenüber. die beiden sitzen in einem holzverkleideten Innenraum, der über das Rollfeld zu erreichen ist: Kneipenfeeling. sie war gerade bei ihrem Therapeuten, zeigt mir ein Foto von ihrem Exfreund.
»jetzt fängt sie gleich zu weinen an«, sagt ihr Freund und so war es. der Weinanfall dauert nicht lange. 

MORGENS

Zugeständnisse an die eigene Freiheit. ich liege in Cs Bett und denke über Ängstlichkeit nach. ich denke an das Herbert-Grönemeyer-Lied gestern Abend auf der Autobahn, an liebevolle Männer und ängstliche Frauen.

als L einen Tag später von den Machtverteilunge innerhalb der Rollen erzählt, wie sie sie wahrgenommen hat: wird mir klar: es ist komplex.1

der paranoide Leser2 wird das auf sich beziehen.

trägt die Autorin eigentlich die Verantwortung, dass der Leser nicht alles auf sich bezieht?

tingle zu L. gemeinsames Frühstück. Aprikosencroissant. der Verkäufer rügt uns, weil wir uns doch entschieden haben uns zu setzen – also eine Papiertüte in den Sand gesetzt haben. 
wir findens beide ein bisschen albern. 
nehme die Tüte mit, werde sie wiederverwenden. 

dann tingle ich durch die Stadt. später tingeln wir noch zu zweit, dann mache ich mich auf den Weg.

BEIM MINIGOLFEN

N erzählt: der Freund ihrer Schwester hat der Schwester beim Zieleinlauf einen Heiratsantrag gemacht. sie waren sogar in der Tagesschau. N bekommt bald ein Kind. M ist schwanger. auf einmal sehe ich bloß noch Kinder und Bäuche.

beim Zurückfahren erinnere ich mich, an eine Zugfahrt mit C an dem Tag, an dem er meinte R gesehen zu haben. 

in der Bahn heute stehen zwei Arbeitskolleginnen: eine Ältere und eine Jüngere. die Ältere fragt die Junge aus.  ich denke an die Verletzlichkeit des modernen Individuum.3 und frage mich, ob sich die Fragen für die Junge genauso scheiße anfühlen, wie sie sich für mich anhören. aber die Junge macht sich gut, antwortet: sie wohne nicht mehr bei den Eltern, hat irgendwo im Osten des Rings4 eine Zweizimmerwohnung. einziges Manko: die Wohnung hat keinen Balkon. also Kinder, könne sie in der leider in der Wohnung dann nicht bekommen.

das Thema sei bei ihr gegessen, sagt die kleine Dicke, sie habe es probiert und es hat nicht geklappt.

»Birgit, was ist eigentlich mit deinem Fahrrad passiert?«
»der Schlüssel liegt immer noch im Keller der Weddinger Wohnung – durchs Gitter vor der Tür gerasselt.«

 

  1. gerade erkläre ich mir eine Zunahme an Eigenschafen in Paarbeziehung folgendermaßen: es gibt eine gemeinsame Ängstlichkeit, ein gemeinsamer Mut, … wenn diese Stücke irreversibel verteilt sind und auf einmal einer sich in einem Gefühl gefangen fühlt, dann  beginnt es, Sache schwierig werden. [dieser Gedanke muss nochmal überdacht werden] []
  2. Sedgwick; bei Maggie Nelson: Freiheitsbuch []
  3. mehrere Verweise finden sich bei Maggie Nelson: Über Freiheit []
  4. ›searching a flat in the ring‹ – so stehts immer in den Wohnungsanzeigen, die auf instagram gepostet werden []

220708 Kreuzberg: Gurken kaufen, Anchovis

fahre nach Kreuzberg. stehe am Kotti, telefoniere mit M. sie organisiert sich das Kind weg und kommt am Abend vorbei. der Mann vom Copyshop grüßt beim Vorbeifahren.

es sollte  25 Jahre dauern, bis ich ein Mal in meinem Leben Anchovis kaufte. ich sehe den Verkäufer an: »kann man das Glas wieder zumachen?« er stützt sich auf die Theke, zieht seine Brille zurecht, begutachtet das Glas und gibt es mir zurück. kann man. kurz vor Kasse entscheide ich mich, noch einen Espresso und ein Dolce zu nehmen. bitte den jungen Mann an der Kasse um eine Empfehlung. macht er: das Canellone mit Pistazie. die beiden lachen.

220620 mehrere Hochzeiten, L, Totzeit, Raketenezeit, Omakleidung

ns sommes en train de prendre nos petit-déjeuners. comment se dit? wie sagt man?
man tanzt immer auf mehreren Hochzeiten (le mariage) gleichzeitig. eigentlich geht der Spruch anders: man kann nur auf einer Hochzeit tanzen. Bsp.: die unorganisierteste Chaotengruppe in ganz Hamburg renoviert Wohnungen. sie tanzt in mehren Wohnungen gleichzeitig. auf die Frage: warum ist die Wohnung immer noch nicht fertig? sagt der Bauleiter:
– es gibt Lieferengpässe
– erst die Mauer, dann das Dach
– weil Totzeit vermieden wird
(während er das sagt, wird er richtig sauer. seine Halsschalgader schwillt an.)

bei der Produktion von Büchern gibt es die gleiche Totzeit wie auf dem Bau. deswegen haben die Bauleiter immer mehrer Pferde im Rennen und die Künstlerin immer mehrere Bücher auf dem Tisch. ich denke an des Gespräch mit A, am Abreisetag in Below: der immer bestehende Zwispalt, wenn eine Person Inhalt UND Form bestimmt und ein solches Medium, wie das Buch bespielt, von dem ausgegangen wird, dass man Inhalt und Form getrennt betrachten kann. im Satz ›es gibt kein Ende‹ könnten wir das Prädikat mit ›Trennung zwischen Inhalt und Form‹ austauschen. (ob es Wahrheit oder das Patriarchat gibt, interessiert mich erst mal nicht).

wir – fremd/ahnungslos in einer Welt, wenn Dinge nicht funktionieren. dann fällt eine kleine Schraube aus meiner Brille und den Rest des Tages verbringe ich halbblind. (wenigstens kann ich jetzt die Sonnenbrillen von Ls Oma ungeniert tragen.)
auf dem Heimweg halte ich an der Frankfurter Allee, am Trödelladen. als ich auf mein Fahrrad aufsteige ruft mir jemand hinterher ›stop‹! ich drehe mich um.
sehe nichts, bleibe stehen, warte bis der Schemen näher kommt: ›ich wollte dir sagen, was für eine tolle Ausstrahlung du hast« oder hatte er ›Erscheinung‹ gesagt?
bin hin und hergerissen, ob ich mich freuen soll oder genervt davon, dass ein solcher Akt andersherum undenkbar wäre. Frauen werden Komplimente gemacht. Männer machen Karriere.  [dieser Satz könnte von AH sein.]
bedanke mich und fahre weg, freue mich trotzdem. bin kein Molekül in Bewegung, sondern eine freundliche Entität. (insgeheim fragte ich mich: warum macht er das?)

denke an das Gespräch über Neins (gestern). denke an die vielen umgedeuteten Neins, das viele Nachhaken mancher Männer, wenn ein Nein gesagt war. (ich kam mir vor wie eine Mutter, die einem Kind SCHON WIEDER erklären muss: nein, wir gehen nicht ohne Zähneputzen ins Bett. dafür gibt es Gründe und nichts  zu rütteln.)

C diktiert (heute morgen): der Himmel ist grau. kein Wind. die Sonne bewegt sich nach…
halt! die Sonne bewegt sich nicht.

er nimmt dem Radiomoderator nicht ab, dass dieser immer gute Laune hat. einer der zu dir spricht. du bist nicht alleine. (wer einen Radio hat, braucht keinen Gott mehr.) Nähe durch Stimme. der Radiomaoderator ist fast so nah, wie eine Sprachnachricht von einer Fremnden.

die Show, in der Peter Lustig zeigt, wie man ein Radio baut.

L kommt vorbei: Herzrasen und Kaffee. die Zweifel, ob das eine gute Kombination ist. trinken Kaffee. C geht. L und ich machen uns auf den Weg.

ich ersetze ›den Bildermaler‹ durch ›den Radiomoderator‹. trage immer noch die Sonnenbrille. fahre zu M. essen eine Packung Kekse und bauen Raketen. ich zeichne eine Anleitung, wie man einen Stein wäscht, föhnt, trocknet (SICH UM STEINE KÜMMERN). als ich nach Hause fahre, hat der Brillenladen schon zu. ärgerlich. stattdessen halte ich am Trödelladen. dort treffe ich den Schemen. (s. o.)

gute Neuigkeiten: meine e-Taste geht wieder. ich tippe schneller als je zuvor.

als D ungefähr Folgendes las:  ich sah meinen Ex, seine neue war schwanger. wir hatten uns vor 7 Monaten getrennt. er wollte nie Kinder. schaudert es mir. mein Atem stockte. konnte auf einmal die Wut verstehn. trage Zaubermittel auf, bevor ich schlafe. es erinnert mich an D. meine Lippen riechen nach Lavendel. (Ding gekauft, weil ich wusste eine andere hatte das gleiche gekauft.)

220601 kann mein boyfriend bei dir schlafen?

bei… nicht mit.

N mit ck schreibt, ob ich jemanden kenne, auf dessen Couch sein boyfriend und dessen Freund am Wochenende in Berlin schlafen könnnen. – Rammsteinkonzert. (später sollte ich erfahren, auch E war dort.)

– mich! kommt zu mir! (es kommt mir gelegen)

sehe mich selbst schon meine untergemietete Wohnung untervermieten (weil ich kein Geld habe).1

  1. merkste das Kokettieren mit dem kein-Geld-haben, die ewigen Zerrissenheit, s. Caroline Amlinger Schreiben. []

220606 Below–Berlin

sitze in meinem Wagen. der Wind geht. das Gras ist das Meer. A schreibt ›danke‹. keine Bestätigungsmail von gestern. in der Küche hängt ein goldenes Kalb. denke an Oberammergau.

dann fahren wir ins Ms Clio zurück nach Berlin. (es ist sehr eng.)

die Milch im Gepäck1

und mein Bettzeug noch in Below2, treffe ich N, warte am Ostkreuz, rette jemands (fluchender Mann + begleitende Frau) Tag.34

N und ich trinken Eiskaffee in einer Eisdiele, in der mehr als die Hälfte der Stühle Kinderstühle sind. dann gehen wir zu mir, finden die Wohnung vor, wie ich sie verlassen habe. B und B haben › nochmal durchgewischt.‹ C kommt. wir lesen, N erklärt C Spanisch. bringen N zum Bahnhof. C und ich laufen weiter.

  1. die Frage, was eine Person einpacken würde, sorgt für Erheiterung []
  2. c u soon []
  3. indem ich ihm eine Maske in die Hand drücke. er nimmt an. das hätte ich nicht gedacht. []
  4. später erzähle ich es C und nehme mir noch später vor, ihm nicht ALLES zu erzählen, weil ich bei „i love dick“ lese: Dekonstruktion ersetzt Sex []

220416 der Samstag vor Ostern, in MV

Fischbrötchen essend liegen wir an der Müritz. ›was ist der unique selling point dieser Landschaft‹, fragt sich die Möwe kreischend. C und L unterhalten sich und ich begutachte die schwarze Zunge der Möwe.

später steigen wir in den See. keiner hat ’n Handtuch dabei, aber nach zwei Zügen im eisigen Wasser ist uns so warm, dass es kein Handtuch  mehr braucht und wir an der kühlen Frühlingsluft und mit innerer Hitze von selbst trocknen.

noch später – wir haben das Haus gefunden, das wir unbedingt haben wollen; wir habens der vierköpfigen Familie in ihrem neuen Audi gezeigt, drehen mit quietschenden Reifen um, weil uns Nudeln für 12 Euro auf jeden Fall zu teuer sind1, wir2 haben der Sonne zugesehen beim Untergehen und ganz viele Fotos vom Mond [Link zu Sammlung ergänzen] gemacht,3

trägt der junge Kellner wirklich eine Rolex?
die Männer beugen sich vor.4
auf die Frage, ob es noch was anderes gebe, als Kartoffeln, sagt er: »Kroketten, Pommes, … «
»aber das sind ja auch alles Kartoffeln??«5

Fische in Brötchen
im Mund.
Eis im Kopf, der Kopf zum Norden und voller Entscheidungen.
was kaufen wir als nächstes?
wir setzten L wieder ab, fahren durch Pankow wieder nach Berlin, stolpern kurz vor Schluss noch in den Rewe,
kaufen Essen für die Feiertage und C kauft sich Essen für jetzt gleich.

Träume von Häusern auf einer Insel – bis dahin sitzen wir im Auto und hoffen, es rostet uns nicht weg, bis wir 30 sind.

  1. einige Wochen später sollten C und ich über Geld reden, wie schön es ist genug davon zu haben, bedenkenlos ausgehen zu können. []
  2. ich denke  an das Gefühl von Rhonja Rhönnes blau-gelbem-Buch: ein wir, das mit sich selbst ganz zufrieden ist, solange, bis einer ausbricht []
  3. und als C sieht, dass sich ein Paar im Mondlicht küsst, macht er das Liebeslied im Radio lauter und das Fenster auf; er  kann dann gar nicht mehr aufhören zu schmunzeln, als ich sage: »hör auf, du bist ja wie der Mann von heut morgen, der unser Küsse kommentiert« []
  4. ich erinnere mich an ein Teil mit einem Rolexzeichen. es muss der Abend gewesen sein, an dem B und ich mit D in Kufstein waren. es gibt ein Foto von uns dreien und ein Foto von mir auf dem Heimweg, das B immer besonders gerne mochte. ich trage eine Sonnenbrille. es ist kurz bevor alles ins Wanken geriet. []
  5. in Kartoffeln ist zu viel Kalium für Ls Niere []

220407 Nachtrag 220310: Anfang, Joker, Geschlechterungleichgewicht. eine Geschichte, die sich ungefähr so zugetragen hat (TEIL 1)

aus Berlin calling wurde ein lautes Rufen. was ich damals noch nicht wusste, war, dass wir hier eine Setzung machten. etwas, das schon viel früher begonnen hatte, wurde langsam konkret und wir sprachen später von einem Anfang. ein Anfang, der in einer Bar, die Joker heißt, spielte. hier waren wir. beobachteten die Leute um uns herum. sahen die Reste der heutigen Veranstaltung. wir waren auch ein Rest. ein Rest, der auf dem Heimweg von einer weitere Bar, direkt an der Birkenstraße, die heute schon Feierabend gemacht hatte, nicht gleich nach Hause gehen wollte und auf eben diese Kneipe gestoßen war.

kaum zur Tür hinein, kamen zwei Männchen auf uns zu. sie trugen weite Mäntel und moderne Brillen. der eine erzählte von seinem Sieg. er hatte beim Bingo gewonnen. dann  begann er uns auszufragen, woher wir kamen und was wir hier wollten, wie lange wir schon in Berlin wohnten. die beide wohnten da drüben. »im Sprengelkiez?« ein Duo waren sie, das sah man. der eine stand hinter dem anderen – etwas versetzt. ich saß neben meiner Begleitung. sie sprach, bot den anderen die Stirn. ich, schweigend, erkannte DIE SPRACHLOSIKGEIT DER FRAUEN IST EINE ANDERE ALS DIE DER MÄNNER. ich erkannte auch seine Fahrigkeit mit der Wahrheit und die Notwendigkeit dieser Lockerheit. man maß sich. in diesem Fall maß man sich mit Ortskennentis. man erzählte sich gegenseitig von der allen bekannten Zwischenmietsodyssee, die wohl jeder, der hier wohnt, schon mal durchlaufen hat und auf der meine Begleitung und ich uns aus unterschiedlichen Gründen auch gerade befanden. die Männer webten ein Netz aus Referenzen und  ich war schon ein bisschen betrunken und stieg ein und bot unserem Gegenüber meine Ortskenntnis, an der er sich messen konnte. »das hat man dir aberzogen.« so in etwa sollte C dann, einen Monat später, im Auto zu mir sagen.

die zwei Männner gingen – nicht bevor sie uns Tips gegeben hatten, was man an meinem neuen Wohnort alles tun konnte. man konnte zum Beispiel im Sonnenstudio Cocktails trinken. »das ist ja toll! und deine Exfreundin hat da um die Ecke gewohnt?« SO WARD EINE FRAU, MIT DER MAN ZUSAMMEN WAR ETWAS, MIT DEM MAN SICH NOCH LANG DANACH SCHMÜCKEN KONNTE. ich überlegte, ob ich mich mit dem Grafikdesigner immer noch schmücken konnte, obwohl es schon vier oder fünf Jahre her war. sie gingen. wir bestellten, unterhielten uns. ein anderer Mann kam, verabschiedete sich von allen und und lud uns zu seinem Geburtstag ein. in zwei Monaten, gleicher Wochentag wie heute – zum Bingo. er sei der Spielmeister, immer. ich fragte mich, obs auch was zu essen gibt an seinem Geburtstag und ob Bingo eigentlich immer donnerstags stattfindet. aber diese Fragen stellte ich nicht laut.

noch bevor wir das erste Bier ausgetrunken hatten,  beugte sich Jacky über die Theke. raspelkurze Haare, ein Glitzershirt. für mich sah sie aus wie eine Frau aus dem Osten Berlins. »der junge Mann da drüben gibt euch was aus.« C war ganz sprachlos. als Mann kannte er es nicht, eingeladen zu werden. ich war eine Frau und ich kannte es. ich sah es als Ausgleich dafür, dass man andauernd die Mundwinkel nach oben zog und um das Wohl der anderen mehr bedacht war, als um das eigene. das hört sich schlimmer an, als es war. ich war zufrieden, die meiste Zeit, aber ein Freigetränk konnte dem beschriebenen Geschlechter-Ungleichgewicht1 nicht schaden.

der junge Mann da drüben war Mitte 40,  lehnte an einem Stehtisch in der Ecke direkt am Eingang. erst dachte ich, es sei ein  Zugezogener, der die modischen Codes von heute spazieren führt. er trug eine Warnweste und eine Pilotenbrille. später sollte sich herausstellen, dass die Weste nur ein weiterer Rest von etwas war. genau wie der Spreizel in seinem Finger und  die Geschichten, die er nicht ohne Hass über ›einen Fetten‹ und ›einen vom Bund‹ erzählte. »bloß weil der beim Bund war«, sagte er. er tat mir leid. er gab uns noch mehr aus. es warf mich zurück.

Abendessen mit Familie M. zu Ende warden die Männer wachsam, es ging darum als erster zu zahlen. GANZ HABE ICH DIESEN ZUSAMMENHANG NIE VERSTANDEN. IRGENDWAS MACHT DIESES FÜR ANDERE ZAHLEN MIT DEM SELBSTVERSTÄNDNIS EINES MANNES2

wir tranken und unterhielten uns und bis auf ein kurzes Grüßen und Dank an den Neonfarben tragenden Mann, gab es keinerlei Interaktion mit unserem Gönner. er sprach mit der Bardame und wir sprachen mit uns. C ging aufs Klo. da kam der Gönner das erste Mal. er begann zu erzählen, von seiner dem Spreizel und der Robinie. er zeigte mir seine Hände: da ist der Spreizel. Drecksbaum, die Rupinie.

als ich seine Hände sah, wusste ich, dass die Warnweste ein Rest des Tages und kein Accesoire war. seine Hände sahen ganz anders aus als meine. er hatte fleischige Finger und dicke Haut und ein bisschen Erde gabe es auch noch in den Rillen der Haut. diese Hände sahen aus, als ob ihnen nichts weh tun konnte – außer einer Robinie.3

C kam wieder. es fielen noch ein paar Worte, dann ging der Mann mit dem Spreizel in der Hand zurück an seinen Platz. wir unterhielten uns weiter und wetteten irgendwas. ich gewann. wir sprachen von Männern und von Frauen und über das sich messen und die Sache mit dem Zahlen. »es ist wie in Amerika«, sagte C über irgendwas. was wie in Amerika war, weiß ich nicht mehr.

nun kam es, dass er wieder aufs Klo verschwand. ich zog vorsichtshalber mein Notizbuch raus und begann zu schreiben, um nicht als Zuhörerin in Frage zu kommen. doch der Mann mit der Warnweste leiß nicht lange auf sich warten. er ignorierte mein fleißiges Notieren …

 

[TEIL 2 FOLGT]

  1. Wort von Anna Herms: Due Magneti geklaut []
  2. und als Frau ist man bemüht, auch mal zu zahlen. aber die Männer bestärkt das Zahlen in ihrem Selbst, für die Frauen ist es nur eine Notwendigkeit, die man auch mal übernimmt, damit man sich selbst nicht gekauft und die Männer sich nicht ungerecht behandelt fühlen. später erkenne ich, dass C von diesem Zeitpunkt an ganz spendabel wurde, hatten wir doch vorher ein ausgeglichenes Verhältnis an wer-zahlt-heute. oder war es meine Aufmerksamkeit, die auf einmal einen Knick bekommen hatte und nur noch das eine sehen wollte? []
  3. ich dachte an einen Mann, in den ich mit 16 mal ein bisschen verliebt war. er trug Cordsaccos und Anzughosen, das fand ich gut. wenn er betrunken war, wurde er laut und unkontrolliert. er kam aus O. und F kannte ihn auch. er wusste, dass sein Papa zu viel trank und er einen kleinen Bruder hatte. irgendwann fasste mich dieser Mann mal ganz fest an den Schultern, daran erinnere ich mich noch. er hielt mir beim Kotzen die Haare aus der Stirn. das letzte Mal gesehen habe ich ihn vor ungefähr 5 Jahren. ich war mit B zusammen. er lehnte am Fenster und war laut und unkontrolliert. später erzählte mir F, er sei in Wasserburg in der Klinik. []

220402 Umzug, zweiter Teil

ich träume von rosé Besteck von WMF.12 wir fahren frühstücken (Ecke Elsenstraße, bei real.) wir lernen: zwei Frühstück ist eines zu viel für zwei. wir lernen auch: die Käsefäden sind sehr salzig. ich lausche dem merkwürdigen Gespräch einen Tisch weiter. den Rest packen wir ein. dann gehen wir an dem Späti vorbei, an dem ich meine erste rosa Maske gekauft hab. es muss vor etwas weniger als einem Jahr gewesen sein. (wir waren auf dem Weg zum Holländer.) wir steigen in den Benz und fahren weiter. ich sehe wehmütig aus dem Fenster. die Kiefholzstraße entlang. C fährt Schlangen und ich filme durchs Fenster. 
zusammen mit R, T, A und C ist es tragbar. wir bringen erst alles aus dem Keller und von Flur der Eschenbachstraße 1 in den Transporter. ich staune über meinen Besitz. fühle mich wie eine Zoologin, als ich die Männer unter sich beobachte.3 ich werde wehmütig, als ich dem Pärchen unten im Haus nochmal Tschüss sage (nun aber wirklich) und als mir der dicke Postbote ein »wie gehts Ihnen?« entgegen wirft. fahre mit C nach Lichtenberg, die anderen fahren im Transporter. auf dem Weg kommt die Idee auf, Kaffee für alle zu holen. in Lichtenberg nur ein Café und da steht „geschlossen“ an der Tür. ich springe kurz aus dem Auto und drücke gegen die Tür. hallo? da ist ja doch jemand.  eine Frau und ein Mann. alles ist vollgestellt. was ich will, fragt sie. »fünf Kaffee, das wär total nett.« na gut. sie macht welchen. im Pappbecher, weil für die Receyclingbecher hab ich kein Geld. ein Problem gibts noch: es gibt kein Tablett. sie leiht mir eine Kuchenform. in einer Vitrine hinten gibts auch noch Kuchen. wir machen einen Deal: 20 Euro, die Kaffees und 5 Stücke von dem Kuchen. sie macht sie ein bisschen kleiner. sind nämlich 3-Euro-Stücke, weil der vegan ist. ich denke an das, was ich in der Zeitung gelesen habe: ein Deal lässt sich nicht rückgängig machen.

nach dem Umzug gehen 3 Männer. A bleibt noch ein bisschen. über den Tod, Trauer, Schuldgefühle und über die Aufladung von – (vermute Zeichen?) er zeigt eine sweete Zeichenverwendung, die man irgendwie über die Glyphen erlangt: kleine Buchstaben an der Stelle, wo sonst die Accents sitzen.

später bringe ich das Lastenrad zu IKEA zurück. ohne die Matratze genieße ich die Fahrt. meine Blicke durch die Herzberge, durch IKEA, über alles. ich sitze an der Fensterfront, esse Salat und Daimtorte4 und sehe hinunter. zwischendurch denke ich an Putzeimer und ob ich Oma mal fragen soll, ob ich ihren haben kann.

ich schlendere noch ein bisschen durch IKEA und auf dem Heimweg steige ich in Marzahn aus: im Eastgate kaufe ich Blumen, Klopapier, Putzsachen. bei Rewe ist ein sehr lauter Punk, der heute irgendwas mit Kohl kochen wird und mit der Verkäuferin schnackt, ihr sein Rezept erklärt. ob er in einem der Hochhäuser hier wohnt? ich denke an Rs Freund, der von nicht-lebenswerten Gegenden spricht und ich wundere mich, dass meine Bubbel sich innerhalb des Rings aufhält.

es brennt  in mir. angefangen zu brennen hat es, als er C meinte, F kommt zu Besuch. deine Schwester gegen meinen Schlüssel. wir strahlen beide.5

später, im GateWest. ich staune. so groß. dann finde ich den Ausgang nicht mehr, frage ein Mädchen. sie ist ungefähr 14, hat lange wimpern anngeklebt und bindet auf der Rolltreppe ihre Schuhe, wies hier zur S-Bahn geht. da muss sie auch hin. sie nimmt mich mit. fragt mich, ob ich neu hier bin. ne, ich wohn nicht hier. und bist du alt hier? sie lacht kurz. geht schnell Richtung S-Bahn. dann winkt sie – ihrer Freundin. sie begrüßen sich im Gehen und zupfen aneinander, kommentieren gegenseitig ihr Aussehen, liefern mich an der Brücke zur S-Bahn.

»Friddrichsfelde Ost« – so in etwa betont es die Stimme. ich nehme mir vor, das ie ein wenig kürzer zu sagen.
ich denke an Lichterfelde Ost. in meinem Kopf Cs verschlafenes Gesicht. ich fahre an S-Bahn-Stationen vorbei, die ich nicht gut kenne. ich denke an jemands Grübchen. ich denke an die aufgeregte Stimme der Schwester. ich denke an die die zum Tablett umfunktionierte Kuchenform mit den fünf Kaffeebechern heut Nachmittag. ich denke an Zupfkuchen und an die Frau aus dem Café, die mich an LA erinnerte. an die Fahrt mit dem Lastenrad und der Matratze, an Ps Sohn F, der meinte, dass eine Birgit ausziehe, kenne er noch von der Scheidung seiner Eltern. ich denke daran, dass A »wie Männer ihre Liebe zeigen« sagt – über die Möbelstücke, die P für mich, O und M gebaut hat.

  1. die geringer Schrifthöhe benutze ich auch bei AHs Buch. Typografie über die Bedeutung der bloßen Zeichen hinaus. toll! eine Bedeutungsaufladung nur durch die Benutzung versch. Schriftgrößen und Schnitte. wenig später sollte ich mir ein ›A‹ auf den Arm tätowieren lassen. nur ein A – ohne alles. mit A fängt alles an. []
  2. die Träume der ersten Nacht in einer neuen Wohnung sind ausschlaggebend, sagt man []
  3. später im April sollte ich Donna Haaraways Gefährtenbuch anfangen und mich mit dem Begriff ›Zoologin‹ nicht mehr so falsch fühlen []
  4. zu süß []
  5. auch die Mutter freut sich []

211024 Blumen

(morgens 2 Kaffee auf halbleeren Magen). mein Bauch grummelt immer noch. es ist 18:39 Uhr.

später: BLUMEN | florierender Handel, fluoreszierende Blätter, rosarote Rosen. Scheine, mit denen du die Blätter kaufst. fabric of flowers. dort heuert dich einer an, der neben dir schläft, der will, dass du die Blumen sähst und düngst. ernten tut sie jemand anders. KAUFST DU DIR BLUMEN? einen Euro kosten sie an der Prenzlauer. WAS MACHST DU MIT DEN BLUMEN? eine Sonnenblume, ein Euo. UND? KAUFST DU DIR EINE? nein,
du weißt, die welken eh wieder. ich frage einen fremden Mann, der ziemlich besoffen an meinem Auflachen hängen bleibt, ob er sich manchmal Blumen kaufst und ›was ist eigentlich schön‽‹ DU HAST DIR EINE BESSERE ANTWORT ALS SEIN GESCHWAFEL ERWARTET. ich kaufe dir Blumen. das hatte ich immer vor. ich bin 17. R pflückt mir auf der anderen Seite des Bahnhofes einen Strauß Margeriten und überreicht sie mir mit den Worten: das gegen deine Jugend. es gibt ein Foto, von dem Strauß, der oben an meinem farbverschmierten Waschbecken stand/stehen.

Weihnachten 2017. während wir alle nach Hause fahren und uns von unseren Eltern wie betüddeln lassen, gießt A unsere Blumen. DU SAGST WIRKLICH BLUMEN ZU ZIMMERPFLANZEN.

C fragt mich, ob ich besonders produktiv bin hier in den Studios.

211008 in der Bücherei

mir rutscht das Handy1 … das Herz in die Hose, als ich die laute Stimme des Engländers höre: kein Erkennen, vermute ich zumindest und neige meinen Kopf tiefer gen Laptop. der Mann vor mir hat ebenfalls seinen Kopf auf den Tisch gelegt und schläft. (ober auch kein Zuhause hat?) ich sehe mich selbst in seinem Bildschirm gespiegelt. »Bücherei«, sagt C, »ist ein altes Wort«. vor einigen Tagen hab ich irgendwo aufgeschrieben, dass mir Wörter mit -ei am Ende gefallen, weil sie so eine Handwerklichkeit ausstrahlen. hier passiert was. wir trinken Kaffee vor der Kirche an der Ecke. jetzt sitze ich hier mit einem Stapel Bücher, den ich eigentlich aufs genaueste mit dem Lineal untersuchen möchte und nun schreibe ich doch wieder Wohnungs-Anfragen.

später höre Judith Schalanskys Verzeichnis einiger Verluste. (der Versuch der Ordnung der Tod!). höre von C einen Satz der da: – (s.o.) ich liege mit dem Kopf im Sand: Luft holen. später vermesse ich doch noch die Seitenränder und Textfelder. ich packe meine Sachen für morgen. als ich nach Hause komme, rumpelt es und die Müllsäcke, die M an der Tür angelehnt hat, fallen um.

wir sehen einen bekannten Rapper vor uns. wir sehen auch: ich träume. morgen werde ich müde sein. wir trinken einige Biere und ja, ich habe mir die Augen zugehalten, als mir der Film zu brutal wurde.

  1. hierbei handelt es sich offensichtlich um einen Freudschen Versprecher []

210907 vorm Urban

auf langen Beinen steht er vor dem Mann, lässt sich füttern, frisst ihm das Brot mit WC-Enten-verkrümmten Hals aus der Hand. sowohl beim Gefütterten, als auch beim Fütternden kann man die Kopfform ganz genau erkennen. der Fütterer hat eine Glatze und schwanähnliche Augen. je näher ich hinsehe, desto… (bist du das?) Flügel-gegen-Wasser: zwei aufgeplusterte Schwäne fliegen aufeinander. (hier wird das Baustellenvokablur von Tierbeobachtungen abgelöst). gibts Schwäne in Lichtenrade, wenns keinen See gibt? strecken die Köpfe zusammen, formen ein Herz. ihr zwei. Gurr-Gurr. ich wünsche mir heimlich, dass mir jemand die Entscheidung abnimmt.1

später: sie sind kaum mehr als zwei Meter entfernt. „du arbeitest doch auch andauernd“, sagt C. stimmt schon. ich telefoniere mit M. ruhig. sie spricht nochmal von Johannistal. ich rufe in Johannistal an.

später: 10:33 : ich esse ein enorm hohes Croissant. aufgeplustert, wie die Schwäne am Ufer. dezentral/abseits sitzen und tippen: wo willst du wohnen?2

upcoming: Johannistal, Marseille, Premiere, Magneten, und dann? nehmen wir das Mofa und fahren irgendwo hin, fegen die Croissantktümelreste/Überbleibsel vom Tisch. dass so viele Reste bleiben und dass es kein Feuer gibt, indem wir die Reste verbrennen, das nervt irgendwie.3

F: wenn du die aussuchen könntest, wo du wohnst, wo willst du hin?

wir sitzen auf einer halblangen Bank, zwei halbbreite Personen. es läuft einer vorbei, der heißt wie C und ist ziemlich besoffen. als ich aufwache, merke ich, dass ich zwar nicht besoffen war, aber ich stehe nicht so schnell und nicht so gerne auf wie sonst. (das kann man jetzt so oder so sehn. genau)

  1. vielleicht ist die Sehensucht nach Sinn/Gott/wasauchimmer die heimliche Sehnsucht, sich nicht entscheiden zu müssen []
  2. C schlägt vor mit der eigenen Utopie zu vergleichen []
  3. wir müssen einen guten Weg für den Abschied finden. das kann doch nicht sein, dass immer ein Haufen Scherben zurückbleibt. []

210823 S | wo bleiben da die Prinzessinnen?

lauern / gieren, wie jemand, der hungrig jemand Anderem über den Weg läuft.1. ich bin: – – – (das hat nichts mit der Realität zu tun. von einem entschlossenen Mal-so-mal-so sprechen wir nicht.2

Prinzessinen warten im Garten, trinken Kräutertee. die Prinzen liegen auf der Straße, sonnen sich unter Palmen überall schreien die Worte der Werbung schnell & sofort & – überqueren die Straße und wenden uns lila & gelb zu. hier, am Lustgarten wird gesungen. hier, am Lustgarten ist die neue Haltestelle der U5 und sie sieht aus, als wären wir in München oder in Hamburg und als wären Sterne am Himmel.

  1. verkaufen ist wie flirten. den kleinsten Funken Interesse wahrnehmen und darauf eingehen: ich sag alles, was du willst. (das tue ich nicht. stelle einen leichten Widerwillen fest mich dem Betteln um Anerkennung zu fügen. behalt dir deine Nachrichten für dich) []
  2. es muss ja nicht immer ein unentschlossenes Vielleicht sein. []

210817 (2) anhalten.

ich mache Halt: einfach nur starren. auf die Gänse, an der Spree. sind das überhaupt Gänse? sie haben den Kopf nach unten gesenkt, picken im Gras, als ob es nichts anderes gäbe. dazwischen watscheln ein paar Enten. eine Frau, deren Lieblingsfarbe offensichtlich Rosa ist, fährt vorbei. komisch, schreibe ich D. warum komisch? meint er, füttert auch immer Vögel. ja komisch, dass das so beruhigend ist.

es kommt nicht drauf an, was, sondern nur wie.

ein Mann mit Kiss-my-airs-Beutel, einem lila-grauen Baseballcap und Musik auf den Ohren watschelt vorbei, dreht sich Richtung der Vögel, zieht seine Arme zu Flügeln an und macht Krähgeräusche. »ist halt alles nicht mehr so strukturiert-dosiert«, höre ich. zwei gelbe Kajaks rudern vorbei. leider habe ich den Zettel verloren, auf dem das Wort stand, das uns der Mann hinterhergebrüllt hatte. auf der anderen Seite ist eine Kirche.

es kommt nicht drauf an, was, sondern nur wie. Oma1 heute morgen über B: man merkt, dass sich jemand mit ihm beschäftigt. ich bastle ein Buch mit M. staunen über die Scheibenbremse, die wir mit wenigen Handgriffen aus dem Fahrrad befreit haben. staunen auch, dass die Palme neue Blätter bekommt, die wir letzte Woche gefunden haben. abends Worte mit H. was werde ich tun? ich werde mit viel Material versuchen in wenig Zeit Aufmerksamkeit zu generieren. mein Leben ist langweilig, sage ich. so soll das sein.

Zeit Vögel anzuglotzen

  1. ich staune heute, mit wie wenig Materialeinsatz sie tolle Dinge gemacht hat []

210815 du kommst doch aus Bayern, oder?

lese einen alten Zeitungsartikel aus der Zeit1: »Ich habe nicht den Ehrgeiz, Gott zwischen seinen Wolken zu suchen« – spricht der Hader. du kommst nicht von hier, meint A gestern. »und?—bleibst du?« – diese Frage ist berechtigt. Ms Schwester, als sie den Garten sieht: ihr kommt nicht zurück. Gründe zu gehen, die wären: […]. kürzlich Telefonat mit irgendeinem Martin, der ein Zimmer am Nordufer vermietet. im ersten Satz ein ›ge‹ am Ende. er kimmt aus (hab ich jetzt vergessen).

wortgewaltig will er mir einreden, dass ich nun eine neue Aufgabe habe und dass alles gut ist, wie es ist. (›deine Lage – toll‹) ich merke an, dass er monologisiert (das hat ihm seine Mutter beigebracht), als er großkotzig erklärt: ich gebe dir meine Lebenszeit. er nennt es Dialog (ein ›Gespräch‹), ich nenne es unverschämt und fange an, ebenso unverschämt zurückzusprechen. das scheint ihm zu viel Gesrpäch. wir verabschieden uns übertrieben höflich, es fällt noch ein ›hohes Ross‹, auf dem man nicht gut durchs Leben kommt

ich lese wie von A empfohlen Sarah Kirsch und bewundere die Dialektworte, der mich auch gar nicht stört2 J meint er finde Dialekte ja toll und dann fragt er mich noch, was ich arbeite – er dachte, ob ich vielleicht im Eisladen arbeite oder so.

gleich gehts los: wir gehen.

man schickt mir Fotos aus dem Bayern-Urlaub. (ich werde eine Kollektion anlegen, von bayrischen Speisekarten und Bergen).

gestern im den verlorenen Schuh wieder gefunden – mit Bissspuren. vermutliche:r Täter:in:

  1. 1. Juli 2021, N°27, S. 47 []
  2. hatte es mich nicht immer furchtbar gestört, wenn jmd auf bayrisch geschrieben hat? []

210808 wohnen

[im Vorbeigehen] »also man könnte problemlos drauf wohnen: eine nette kleine Küche, …« in dem Moment, in dem ich das schreibe, erhalte ich Fotos von einem tiny Haus. auf einmal werden Häuser Symbol zu von Individuen auf sich genommenen Misständen.1 der Versuch autonom zu sein.2 —entschuldigen Sie mal! ja—Sie! nur eine Minute, haben Sie schon Mal über das Wohnen nachgedacht?—Ja? und? was heißt das?—zu wohnen.3

ich trage das Jungsein auf meiner Schulter: ein Rennrad. es ist leicht und ich trage es gern. laut, Lieder, die Straße gehört uns. nun sitze ich doch und esse keine Pizza; lümmle am Späti und denke über gestern.4ein Ort, an dem man sein kann, wer man ist. wo ich sein, wenn nicht überall? ich bin ich und: wer bist du? – wenn du nur dort, sein kannst, wer du bist – unter Fremden im Kostüm. ich trage nichts bei mir, nicht mal eine Zigarette. unendliche Freiheit, so lange daran ziehen, bis du sie endlich spürst. Augenwischerei. ich geht jetzt. die Köpi entlang, auf der Sonnenseite, biege irgendwann ab, steige irgendwann in den Bus. ich gehe – langsam.

in der Schlange vor uns stehen Menschen, die mit süddeutschem Dialekt sprechen. eine Frau, die alle anpöbelt.

ob er auch mal darf – aber das möchte der Mann nicht und sein Wort gilt vor dem der Frau. kleiner Kampf.5 ich lehne mich zurück, sehe den wilden Gesichtern zu.

»superspannend! das Blau des Süßwassersees. Wahsinn« sagt er, geht in die andere Richtung davon.

vor einigen Tagen Telefonat mit J. er ruft an, auf der Suche nach Zuhause. (ruft an, fragt mich um Rat: ›wie geht man vor?‹. das ehrt und erschreckt mich en même temps.6

man sollte eine jede Gruppe als 1 neue Person sehen, die aus der Summe ihrer Mitglieder besteht7. du als Teil von etwas – (›das macht es leichter‹, meint M.)

sein sehr dünner Mann verlässt den Hauseingang rechts und greift nach seinem verkrampften Kiefer.

sich mit den Substanzen identifizieren, die man zu sich nimmt8

Ns Unmut über die vertrockneten Pflanzen auf dem Balkon.

willst du mitkommen? ich bin müde, und ich will schlafen. ziehe ihn mit der Hand zum Stuhl. hier will ich hin. – nicht so sein Ding. aber ich ziehe ihn weiter und dann ist es doch auf einmal ganz gut und er bedankt sich sogar. (alle sehen uns)

gilt eine Verkleidungen von der Stange auch als Verkleidung? wie sehr Anti-norm kann was sein, und ist nicht de Widerstand in allem mit inbegriff?9

ich folge dem Lolli mit den Augen. ›woher hast du den denn?‹, tipt mir einer auf die Schulter und gratuliert mir gleichzeitig, was ein tolles Paar wir sind.10. ich gehe einfach. am Eingang verabschiedet man sich. aus-das-Theater. ich gehe – zu Fuß. der Sonne entlang. ja, das will ich wirklich. Tschüss! das einzige, was gegen die Nacht hilft, ist die Sonne11 . niemand, der mir sagt : ohgott, schon wieder hell. ich gehe die Straße entlang. es ist keine Parallelwelt. wenn ich ihm lange genug zuhöre, dann verstehe ich manchmal, was er sagen will. aber dann ist der Anfang wieder vergessen. wir sprechen aneinander vorbei. gut. ich hatte die Wellen vergessen, zähle mit. willst du noch? gibt mir ne Erdbeere12

die Zeit vergeht langsamer: beim Schreiben (gerade)/ in deinem Zimmer zu Hause. kurzes Rangeln der Männchen und ich hab auf einmal keine Lust mehr. anfangs kurz Unmut. willst du wirklich?13 . meine Augen drehen sich und der Bildschirm verschwimmt. (nicht)

unendlich lange an der Ampel beim Hollände stehen. wir haben früher immer halbe Teile genommen. eine Gruppe sieht zu mir. höre sie kurz sagen, das ist doch die von gestern. N im Kopf, die denkt alle reden über sie, wenn sie alleine wo ist. Aubruchsstimmung. M ist doch nicht so poly unterwegs, wie er immer gesagt hat (als ich ihn frage, ob er getestet ist). ich sehe der riesen Gruppe zu, sich durcheinanderstreckende Köpfe. ich würde Substanzen (Begriffe) weniger Wert beimessen, dem Außenherum, den passierenden Dingen mehr. das Theoriegequatsche. aber es braucht nicht Absolvieren der Jahre, sondern das Praktizieren des Lebens. (eine Ermunterung. es tut nicht weh & es macht Spaß und nacher machst du weniger Dinge, die die eigentlich keinen Spaß machen, weil dir jemand sagt du sollst.

das Außenherum. Dinge passieren. ich bin frei – und ich brauch kein Nasenspray dafür.

  1. wer formt hier wen? / ist wessen Auswirkung? []
  2. im gleichen Moment überlege ich, das mit den Figuren sein zu lassen. vielleicht schreibe ich einfach – nicht literarisch und ohne Plot und dann isses halt jemand, der:die mich kennt / den:die ich kenne, aber das ist dann eben so. []
  3. es kann sich nicht nur um einen Ort handeln. Nomaden wohnen doch auch, oder? []
  4. zurück bleibt ein Urteil: dass der Reiz des Neuen—irgendwas musses es ja bieten, sonst würde ja jeder beim Alten blieben. konservativ, ich? nö—verschwunden ist. ich sehe die junge Frau aus der Schlange wieder. sie lacht. (›wie aufregend: eine Pa-ra-llelwelt!‹) jetzt entschuldige mal, bloß weil es eine Tür und einen Einlass hat, ist es noch kein hermetisch abgeriegelter Kosmos, schon gar keine Parallelwelt auch nicht die ›unendliche Freiheit‹, wie M meint. ((C merkt eineige Tage später an: den Zwängen entkommen und erinnere mich an Js Rüge letzten Sommer []
  5. für wen kämpft er denn jetzt? []
  6. ich erinnere mich, dass D davon spricht, wie autonom ich wirke, fast rücksichtslos und ich kann mir vorstellen, was er meint und frage mich dennoch, wie sehr Außenwahrnehmung sich sehr von der Selbstwahrnehmung unterscheiden. []
  7. ist es das, was S meint mit: ›wir sollten die Kunsthalle als Person sehen‹ []
  8. frei nach dem Motto, was du isst, das bist du []
  9. Rahel Jaeggi schreibt von der Mode, der alle folgen, egal wie früh oder spät. []
  10. ich verdrehe die Augen und halte ihm den Lolli entgegen []
  11. und wie immer in meinem Ohr: ›dies ist die Nacht, die … ‹ – das Exultet. []
  12. ich erinnere mich an Paris, die Erdbeeren, die mir die Zwillinge entgegenstrecken: C’est un fraîse, mais c’est vert []
  13. ich habe zu oft auf unseren Altersunterschied hingewiesen []

12. Juli 2021, Montag

sitze vorm Haus ders Rundfunks. der Radiomoderator gurkt auf einem Hollandrad vorbei, der Lenker des Rads schlenkert und er lächelt mir zu. ich bin zu früh. 

von »dieser unglaubliche Freiheit« spricht die Frau. ich verlange in Gedanken eine Definition und höre sie in Erklärungsnot stammeln.

Monolog einer Verwaltungsangestellten | toll, dass sie – ich verstehe schon. aber ich muss erst mal – – das erst mal weitergeben. das muss dann noch genehmigt werden. dafür gerne schriftlich. wie war der Name? Gabi – oder –– Sabine? nein das darf nicht passieren (efriges Klappern, verzweifelte Suche, wie war den nun der Vorname? sie wundert sich und rügt sich selbst, warum sie sich den Namen der Technikerin nicht merken kann; nickt dann nur ab. die Techniker – – ts ts). im Schrank sind Kekse versteckt. man hört alles. passen Sie auf, was sie sagen. natürlich gibt es kein Geld. Sie müssen auch in – wie war noch das Wort? ich helfe ihr: ›Kapital‹. genau Kapital, das hat sie neulich irgendwo gelesen. also es gibt auch anderes Kapital, als Geld. – nur dass das Leben de:r Durschnitschnittsbürger:in auf Geld basiert, das hat sie vergessen.
wir machen die Leitung ins Radio auf. sie hören die
provokative Demut der Verwaltungsangestellten.

nicht dich
provozieren
lassen. ich
atme
ein
aus – – kritisch bis pampige Kommentare den Lippen.

an der Tür ein kleiner Zettel. Meditation zum Leistungserhalt.
mit den Fingern durch die offnen Haare ziehen,
die Spitzen kneten.
»ich muss jetzt los!« – – – (sie muss los, aber zwei Minuten später kommt sie nochmal zurück.)

später tritt auf der Bühne ein Double des Autors auf.
sie tragen die gleichen roten Turnschuhe.

wir fahren nach Hause, an der Paris-Bar vorbei.
(stell dir vor, wir würden an Paris vorbeifahren).

»wollen wir noch nen Halt im Park machen?«
»gut.«

ich bringe V zum Bahnhof, esse unser beider übriges Mittagessen zu Abend.