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220501 Betrugsversuch, Immertum, Game, Truamkontrolle, Familienkonstrukt

hatte ich davon berichtet: das mich der Verkäufer am Minimarkt beinahe abgezogen hätte? für ein einsvierzig-Bier hat er einsfünfzig verlangt. ich habe so lange vor dem Regal gestanden und überlegt, ob es die 10 Cent wert ist, mehr zu zahlen – für ein Augustiner, deswegen war ich mir ganz sicher:
»ich glaube einsvierzig waren es«
zur Bestätigung meiner Vermutung, fängt er an mit dem Kopf zu wackeln. 
es stellt sich  die Frage: warum hat der das gemacht?1

ich denke an die vielen Neins, die kein Gehör fanden und dass es wohl daran lag, dass ein Nein nicht als solches akzeptiert wird, wenn ihm keine Taten folgen. ich drehe mich weg und entziehe mich Ss Armen. wenige Minuten später bricht er nach Hause auf.

das Immertum, die ständige Wiederholung von allem.

der Ausstieg aus einem Game, in dem ich Teil einer variablen Bestzung / Ensembles ist. es geht nicht um mich, sondern nur um die Aufmerksamkeit, um die Rolle der Personen zueinander. gleiches Drama wie immer (das Kinder-Angebot geselltt sich zum Hausangebot, zum Villenangebot in Südfrankreich und zum Besuch in Aix-en-Provence. ›ich liebe dich wirklich‹ – damit hat man schon Menschen gekauft, aber ich handle nicht mit Wörtern.)

zu Abend Traumkontrollen, Familienkonstrukte [Familie bauen] mit N bei Nini e Pettirosso. wir haben beide am ersten Mai gearbeitet. (was wir beide gar nicht so schlimm fanden: ich hatte meine Ruhe im Atelier und N hat dann tatsächlich deine eine letzte Sache doch nicht gemacht, weil sie sowas dachte wie ›die können mich alle mal gern haben‹.)
nachdem wir gegessen haben, holen wir uns ein Bier und schlendern durch meine Vergangenheit. die Glasowerstraße ist mittlerweile etwas weniger Abfuck, aber immer noch tot. der Lidl ist noch da und die Baustelle, die von 2017–2018 ein Haus weiter war, ist mittlerweile weg. die Fassade des neuen Hauses ist ganz glatt und neu und es gibt es nichtmal Grafitti. N erzählt vom rapide zunehmenden Vorkommen der Junkies – direkt in ihrem Hauseingang in der Lahnstraße, 3 Minuten vom hinteren Augang der U Neukölln weg.

  1. vermute gleich ein rassistischen Motiv: ich, die Deutsche, mit meinen an diesem Tag klappernden Schuhen und dem langen Mantel, aber das ist eine Unterstellung und wäre wahrscheinlich zu einfach.)

    langsam beginnt es in mir zu ziehen. ich denke an CL und erinnere mich, dass er sich die Freundschaft mit R zurückwünscht. ich schreibe CH eine unverständliche Nachricht, auf die er ebenso unverständlich antwortet. gleichzeitig versuche ich herauszufinden, was der Unterschied zwischen Lektorieren und Lektorat ist und bin überrascht, als ich auf karrierebibel.de lese, dass das Lektorat die Autorenaquise und Kalkulation umfasst und ein typischer Quereinsteigerberuf ist.

    ich fahre am Dong Xuan Center vorbei. gleiches Publikum wie vorm Holländer, nur sind die Pflanzen hier aus Plastik. (es muss sich um einen der  sogennanter ‚Insider‘ handeln, den man irgendwo online findet.) als ich die Herzbergstraße kreuze und hinter den Hallen vorbeifahre, fällt mir S und mein Rumgesitze dort wieder ein. kurz vor dem Versuch mein nichtsahnendes Ich zu Umarmen, schwärmt er von dem secondhand-Marken-Mantel, den er sich kaufen will. war es eine burberry-Jacke? er erzählt, dass seine Mutter und er nach und nach das industriell gefertigte Geschirr Stück für Stück durch handgemachtes ersetzen. Töpferware. ((›Achtung!‹, wollte ich schon damals schreien, ›du gehst doch nicht etwa von besser und schlechter aus? []

200424 abendlicher Spaziergang, Café Kotti: Liebe & Freundschaft, Ende

 wir maschieren die Stralauer Halbinsel entlang. CG hat seit sein Lachen zurück. »ja, es ist viel passiert«, oder um es mit AHs Worten zu sagen »sie war nicht untätig gewesen.«1 ich erzähle von C, von der Ernstigkeit und frage, mit was wir die Liebe verwechselt haben. gemachte Aussagen, um zu sehen, wie sie sich anfühlen.
[am Bsp. von K, der keine Tomatensoße mag – nein, er hasst! sie sogar
und am Bsp. von mir, der Abneigung zu Farben, zu Bewegtbild, die sich beide in Luft auflösten] später nimmt er mich ganz kurz in den Arm. ich verliere meine Anspannung.
wir sprechen – über alles.
wie immer fragt C, ohne viel zu sagen. als ich zum Inhalt des Rucksacks frage, wird er zum einzigen Mal misstrauisch: »warum willst du das wissen?« aber nur kurz. später erzählen wir beide von Menschen, die man gemocht hat, von alten Lieben,  wie lange sie dauerten, wie die Enden waren, ich denke an F. irgendwann sagt er, »ich weiß gar nicht, wer du bist«. – das Gefühl hatte ich auch immer.

dann fahren wir nach Kreuzberg.  zwischendurch luge ich an den anderen Tisch und meine D zu erkennen. isser das? er ist es. beinahe hätte ich ihn nicht erkannt.er spricht auf englisch mit mir ich antworte auf deutsch.
ich gehe wieder zu CG zurück.
zwei Gläser Wein später sagen wir Tschüss zueinander.
»gute Reise!«
»bis bald!«, sagt C.
(wie immer gibt es gibt kein Ende! – dieser Satz sollte CG im Kopf bleiben. auch mir ging er nicht aus dem Kopf)

später falle ins Bett. wirklich. dann stehe ich nochmal auf, um zu tippen. ›v/Versuche ehrlich zu sein!‹
wir: haben ein ähnliches Naturell. ich lache über die Seite mit den Relativsätzen und schüttle den Kopf: »nein, ich will kein Teil des games mehr sein.«2

  1. aus Anna Herms: Due Magneti []
  2. das Problem ist, dass eine Frau, sich nicht entscheiden darf, sie wird als automatische Teilnehmerin des Games gesehen – ob sie will oder nicht. []

211127 zurück nach Berlin, Ottos Frau.

eine Frau mit Keksen geht vorbei. (›Lieblingsgast‹ – genau wie vor einem Jahr). in meinem Kopf: ›Kekse mit der Aufschrit Lieblingsgsast. davon liegen drei auf dem Tisch, als ich gehe.‹1.

H und ich stehen am Bahnhof und trinken Bier. genauer trinken wir beide ein Corona und nebenher teilen wir eine Zigarette aus den letzten Tabakbröseln. an Hs Hosenschlaufe baumelt etwas herab. es sieht aus wie die Ticketklemmen für den Skipass, aber es ist ein Feuerzeug an einem Gummizug. möchte man eine Zigarette anzünden, dann zieht man daran, wie an einer Hundeleine. wir beschließen. gemeinsam das Jahr ausklingen zu lassen und freuen uns dolle, als wir wenig später herausfinden, dass das Motto ›fancy‹ ist – abgefahren. sehe überall Glitzer und Gold. (die Keskse! ja, auch die Kekse.) später, im Zug, riecht die Seife nach Lilien und noch später riecht es dann auf einmal nach Glühwein. ich scrolle und klicke durch Wohnungsanzigen und lese ›perfect for professional single or couple‹. professionelles in Beziehung-stehen. der Mann gegenüber entpuppt sich als Italiener und sagt ›Ciao-Ciao-Ciao‹ zu jemandem am Telefon, als ob diese wiederholte Grußformel ein feststehenden Begriff sei.

H trägt ein rotes Tuch, ein zusammengeklapptes Handy am Hals. was ist das denn? sowas hab ich noch nie gesehen.

jetzt kommt schon der zweite mit Bier vorbei. ich will auch noch ein zweites Bier. ich denke an den Rausch, einen richtigen Rausch, den ich in Paris hatte. und ich denke daran, dass ich ganz kurz vergessen hab, was ich will.

am Ende des Abteils spricht einer davon, dass er erst um halb zehn bei Otto ankomme. »Birgit, so heißt doch Ottos Frau.« – stimmt. sie sammelt Schilkröten – wie meine Oma. erst haben wir festgestellt, dass Ottos Frau heißt wie ich, dann finden wir gemeinsame Bekannte. oh mein Gott, wie verschlossen. H schüttelt den Kopf. sie erzählt von der Schachpartie gestern Abend. ich öffne die Dose und nasche eines der Butterkeks.

im Zug merke ich auf einmal das Bier im Kopf.

  1. Auszug aus der Wert der Dinge oder: und dann? nehmen wir das Mofa und fahren weiter []