was Zufall bedeutet, wenn nichts Zufall ist.

die Domestizierung des Zufalls. über die Planbarkeit des Parameters random, der nicht seinem Ursprung entspricht. über die Ästhetik des Zufalls {du willst es doch auch}

begehrenswert spontan, sind die Flecken nur schön, wenn sie aussehen, als wären sie zufällig entstanden. ich sitze wie immer am Küchentisch. statistisch gesehen nicht unwahrscheinlich. schreibend, auf den Zufall wartend, dass etwas passiert, von dem ich nicht wusste, es würde passieren. eine Kombination aus Ungeplantheit und Event, für das sich das lässig Stylen der Haare, das Überwerfen irgendeines Kleidungsstückes lohnen würde.
ich habe nichts für den Zufall getan, außer zu bleiben. Expert_innen der Planung {du kannst, du darfst} haben das Nichtplanbare, dass dem Zufall zufällt, vergessen. ich sage nicht, ich habe Angst vor der Leere. nur im leeren Raum liegt der Zufall. wenn du gehst, könnte sich die Lücke füllen, aber schön ist es nur, wenn du bleibst.
der Zufall kommt, du öffnest den Keks. in ihm liegen wirre Kausalzusammenhänge. ein Sammelbegriff für Nichtfassbares. der Wunsch nach Determiniertheit. hat hier jemand über Gott gelacht? mein Blick springt aus dem Fenster, folgt den Ästen bis in die Spitzen. dein errechnetes Ziel {ungeplant, spontan} hat einen Wertebereich. wenn man davon ausgeht, man könne den Zufall beschreiben, wird er zum Durchschnitt. die Ästhetik des Zufalls ist eine systematische Beschreibung mit einem Parameter random. ein fehlerloses Ergebnis. das Bild des Zufalls ist immer schön.
In der Berechnung des Zufalls liegt das systematische Ausschließen des EinfachSo, des NichtPlanbaren. dort, wo Fehler passieren, passiert auch der Zufall. ich trage das Nichts bei mir. wovor sollte ich Angst haben? der Zufall ist attraktiv in seiner Anomalie. eine Kombination aus Ungeplantheit und Event gibt es nicht. ich kann den Zufall nicht in ein Programm einschreiben. an der Wand eine Karte, auf der steht: „das Einzige, das dir im Weg steht, bist du selbst“. in der unprätentiösen Vertrautheit der Küche liegt der Zufall. ich denke nicht nach, wenn ich mit dem selben Löffel den immergleichen Brei löffle. das Gefühl nicht verantwortlich zu sein. ich denke nicht nach. es passiert einfach. der Zufall lässt sich nicht fangen. er liegt im Fehler der Wiederholung, im Alltäglichen.

veröffentlicht in Protocol Magazin 12 http://www.protocol-magazine.de/

 

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