Die Routine, das Auftanken nach dem Verlassen der Routine, die Schönheit als Währung, in die man (frau) investieren soll. Das steht auf den drei kleinen Fläschchen hohes-C.
Everyday, reload, beauty. Dass drei Flaschen hoch verarbeitetes Obst gesund sein sollen, ist natürlich absolut irre.
Gestern schleppe ich äußerst zufrieden einen wunderschönen kleinen Blumentopf nach Weißensee. Mir war klar, ich könnte einen für die Hyazinthen für A finden, aber dass ich so ein schönes Exemplar innerhalb von wenigen Stunden finden würde, kam auch für mich überraschend.
Die Fahrt nach Adlershof zu meiner Zahnärztin nutze ich, um endlich mal wieder nachzudenken. Die jährliche Routineuntersuchung möchte ich schon deswegen nicht missen.
Später. Ich freue mich so sehr, MHs Stimme zu hören. Ihre unvermarktbaren Gedanken im Kontext äußerst vermarktbaren, contentproduzierenden Format des Podcasts. Sie spricht von ihrer Aversion gegen das Wort „Freiheit“. Ich erinnere mich an meine Aversion gegen die Freiheit der Männer, die gegen meine eigene Freiheit ging.
Ich fahre an der Metro vorbei, unter der Modersohnbrücke durch. Ich sehe einen Mann, der an der Böschung bei dem Lager unter der Brücke entlangkraxelt. Für manche bayrische Wörter gibt es kein hochdeutsches Äquivalenz. _Gschamig_ zum Beispiel. Das heißt in etwa sich schämend – aber eben noch ein bisschen mehr. Weniger ein Zustand, als eine Eigenschaft. Gschamig war ich am Wochenende. Unter meinen Klamotten mein Badeanzug, traute ich mich nicht ins Eiswasser am Teufelssee. Am Teufelssee war ganz Berlin spazieren. Die Eisbadenden wurden begutachtet und kommentiert. Ich denke an L und seinen eingefrorenen Hummer. Ein Riesenshrimp für zwölft Euro.
Die Gegend zwischen Treptower Park und Baumschulenweg kommt mir auf einmal sehr trist vor. Ich sehe Cs alte Wohnung rechts und links die Häuserzeile, in der ich eine der letzten WG-Besichtigungen meines Lebens hatte.
Gestern: Mieterhöhung um 20 Euro. Wohnen in Berlin bleibt quasi immer ein struggle. Mit H und Is Umzug nach Moabit, ist auch meine letzte Verbindung nach Baumschulenweg umgezogen.
Ich stelle mir vor, wie es ist, nicht mehr in Berlin zu wohnen.
Hallo! Bin ich bei dir richtig? Wo ich schon mal in Adlershof bin, sehe ich mir eine Informatik-Übung an. Das Strahlen des Übungsleiters, als er von der Schönheit der formalen Strenge spricht. Ich denke an einen Mathe-Mann, den ich geliebt habe und an einen, den ich gefickt habe. Die Faszination an formaler Strenge wurde mit der Liebe weniger. Von den Geliebten ist nichts außer ein paar Pixelgrafiken geblieben. Von den meisten Ficks ist nicht mal eine Erinnerung geblieben.
Dann nehme ich ein Nextbike nach Hause. Ich fahre von Adlershof eine neu gebaute Straße nach Johannistal. Bis mein inneres Navi erkennt, dass es eine neue Straße ist, wundere ich mich über die Bebauung und die jungen Bäumchen am Straßenrand. Ich fahre die Kiefholzstraße über Baumschulenweg nach Kreuzberg. Hinterm Görli ist jetzt eine Fahrradstraße. Ich überlege, wie ich von Baumschulenweg nach Moabit gefahren bin. Ich kann mich nicht erinnern. Ich wechsle dreimal das Rad (30 Minuten sind frei) und bin in einer guten Stunde zuhause.
Als ich die Treppen hochgehe, riecht es nach Salsica. (Salsica kenne ich seit Sonntag aus den Nudeln im Vereinsheim.)