Kategorie: blog

240517

Ich träume von Kotzenden in verschiedenen Umgebungen. Als ich sie auf Gefahr der Ansteckung hinweise, bleiben sie jeweils recht entspannt und sehen keine Gefahr.

Im wachen Leben bin ich erkältet.

Beim Begutachten der URLs für den Verlag, denke ich an die kurzen Entscheidungswege, von denen der Unternehmer gestern sprachen, während wir Fleisch unten, beim argentinischen Steak-und-Pizza-Laden aßen.

240514

Beim Wiederlesen finde ich Träume von einem Auto (2021) und die Vermutung, dass Reduktion helfen könnte. Ich erkenne Ms Verzweiflung.

»Brigit« schreibt J eine äußerst nette Bemerkung auf airbnb über uns.

Zu Mittag gehen die Gespräche über Testo und männliche Körperbehaarung. Das Testo verändert Ls Körper: Armhaare wachsen und ergeben eine natürliche Schicht zwischen Körper und Mücke geben.

D hat sich einen Nasenhaartrimmer gekauft.

Ein Verlag ist wie eine Ehe. Was mich daran interessiert ist wohl die Finalität, das für immer.

240425

Keine Angst vor altertümlichen Oberflächen. Wovor die Angst durchaus berechtigt ist, ist die nächste Steuererklärung. Gestern saß ich in der geschlossenen Bibliothek, aß heimlich ein Stückchen Schokolade. Wer das liest, weiß, was ich gerade lese (FM = Friederike Mayröcker) spricht in mir weiter. Den Briefwechsel zwischen Bachmann und Frisch suchte ich am Abend. Wer keine Serien schaut, braucht seichte Unterhaltung in Buchform.

240422

Auf dem Nachhauseweg halte ich an der Schönhauser Alle und kaufe drei Quarkbällchen. Der Quarkbällchen-Verkäufer ist wie immer sehr nett. Er erzählt der Frau vor mir, dass die Leute nicht alle nett sind. (Nettigkeit als Kriterium)

240420

Lese im Briefwechsel, schreibe M: Jann ich dich später anrufen, ich lese noch.

240419

Manche Leute, die leben im Text und dann schreiben sie entweder fette Schinken wie KE oder veröffentlichen wie Sarah Kirsch (Der Name der Autorin ploppt auf in einer alten Sybille.) ein Buch nach dem Anderen. Ein Ort voller Bücher ist wie ein Leben mit Auto. Es vergrößert den eigenen Radius ungemein. In dem Referenznetz, in dem man sich bewegt, wird die Welt ganz klein. Es ist faszinierend, sagt K. Ich bewege mich in einer flachen Welt aus Buchstaben, referenzierter Welt, die (genau wie die Autorin) mit ansteigenden Verknüpfungen RIESIG UND RUND wird. Wenn mich jemand im richtigen Moment fragt, was ich im Leben machen möchte, sage ich lesen, lernen, … Erfahrungen sammeln. Wenn mich jemand im falschen Moment fragt, fange ich womöglich an zu weinen oder sage »reich«. (Obwohl ich längst gemerkt habe, dass Reichtum nicht eintreten wird. Von den eleganten Rundungen eines Porsches träume ich weiterhin.)

Einem kurzen Nachrichtenwechsel folgend, sitzen wir vor um 12:15 Uhr vor der Mensa. Ich genieße es, mich einem geselligen wir zuzuordnen, das ich kaum kennen.

Später, zuhause. Es klingelt. Die Post bringt den Briefwecchsel von Bachmann und Frisch, den C mir bestellt hat. Ich freu mich wie Hölle. Kauf ich dir Würste, kaufst du mir Bücher. Höre meinen Fingern beim Tippen zu. Schönes Geräusch.

Nach dem Linguistik-Fettnäpfchen merke ich, wie wenig nerdig ich bin, wenn es um Sprache geht. Mein Ausdruck, die Schriftlichkeit dabei, darauf kommt es mir an. Die Sprache an sich ist mir egal.

Selbstbewusst komme ich 30 Minuten zu spät im Glauben pünktlich zu sein. Dann lege ich mit L Steine ein.

240417

Unvorstellbar. X und Ys Heiratspläne (anonymisiert, weil er schmiedet die Pläne und sie ahnt es.)

»Das verlockende am Heiraten wäre dann die Klarheit, mit der man sagen könnte ›mein …‹«
»Die Klarheit der Zugehörigkeit«
»…und der Ring!«
»Kannst du dir vorstellen zu heiraten?«
»Wenn, dann wäre es eine gemeinsame Entscheidung, was für die Steuererklärung, was für Kinder, was praktisches, nichts Romantisches.«

Auf dem Heimweg fängt mich C an der Invalidenstraße, Höhe Hauptbahnhof ab. Hier von Ecke zu sprechen , käme niemanden in den Sinn. die weite, die hier gewesen sein muss, bevor es Europa City gab.

Wir tingeln an der Spree entlang zum Potsdamer Platz, kaufen bei Hit Semmeln für 19 Cent und bestaunen das unfassbare Angebot. Zur Nachspeise gibts passend zum Potsdamer Platz einen Doughnat.

240411

Nachdem ich kürzlich Das neue Buch von Rafael Horzons gefunden habe, lese ich nun auf der darin oft erwähnten Wikipedia-Seite: „In Wolfgang Herrndorfs Debütroman In [sic] Plüschgewittern (2002), der in Berlin-Mitte spielt, ist von einem „ironischen Möbelgeschäft“ die Rede, das auf Moebel Horzon anspielt.“1

Des weiteren lese ich nun zum dritten mal in Alexander Jordan, Forschungssemester 19992:

„Theoretische Diplomarbeiten sind oft nur simple Eins-plus-Eins-Additionen, aus Zitaten zusammengeschneiderte Schuppenpanzer, die zudem jetzt immer häufiger mit dem Glitter unkonrollierbarer Internetherkunft garniert werden. Auf den Schein von <wissenschaftlicher Arbeit> wird da <mit Methode> hin <gearbeitet>. Zumindest an den Gestaltungshochschulen. Grenzüberschreitungen, Ausflüge ins nicht direkt <referenzierbare>, in die aus der Sache begründeten Vermutung (These) sind eher die Ausnahme.“

Das wirft kein gutes Licht auf diesen Mann, den ich nicht kenne.

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Rafael_Horzon, Wikipedia: Rafael Horzon, am 11.04.2024 []
  2.  bazar politique/la forge 2002 []

240405

Ich stelle mir vor, das ich auf ›birgitandbreakfast.de‹ die Meldung »We migrated…« hinterlege. Wir sind umgezogen. Migrieren ist ja die professioneller Form des Umziehens, wohingegen das »Wir sind umgezogen« impliziert, dass alles von Hand gepackt wurde.

Während ich mal wieder über Namen nachdenke und mich über meine eigenen Unwillen wundere einen Namen ohne Bedeutung zu finden, fällt mir auf, dass »meta« rückwärts »atem« heißt. Aber Meta ist eh schon vergeben, an ex-facebook und ex-instagram.

240331

Mitten im nirgendwo, in der Nähe von Neuruppin um 22:29 Uhr. Wir fahren auf einer leeren Straße Richtung Autobahn. Ich schaue rechts aus dem Fenster. Ein rhythmisches Rotes Blinken am schwarzen Himmel

240328

Mitten in der Masse, stehe ich in der Garage. Ich habe zwei Bier getrunken und nichts gegessen. Der Chor beginnt zu singen. Meine unmusikalischen Ohren erkennen vier ungeübte Frauenstimmen. C wispert mir was vom Absinken des Chores ins Ohr. ich bin mir nicht sicher, ob das nicht etwas anderes meint. Die Chormitglieder tragen weite Hosen und schwarze Shirts mit  Aufdruck, die Musikgruppen zeigen. Ich kann mich nicht erwehren, dass mich die Lieder TROTZDEM mitziehen. Trotzdem, auch wenn…

Als die Frau, die ausstellt auf Englisch von Salzteig spricht, bin ich wirklich verwundert und frage mich, ob SCHON WIEDER Drogen im Spiel sind?

Später stellen L und ich fest, dass wir die gleiche Handgröße haben. (Aber sie ist eher klein und ich bin eher groß)

 

240328

Vor mir steht ein Strauß Tulpen und zwei Osterhasen.

Ich denke an gestern. An den schwarzen Porsche in der leeren Tiefgarage. An die unausgesprochene Kündigung, die die Vorgesetzte kein einziges Mal kommentiert hat. An das Gespräch auf dem Flur mit CL. An die Lästerein mit FW im Büro, nachdem die Vorgesetzte uns aufgebracht von der Ex-Kollegin.

Mein Macbook steht auf dem grünen Linoleum des Arbeitsplatzes. Einen neuen Ort kann man nur erkunden, wenn man ihn nicht kennt.

240327 Plural

Wir kommen darauf, dass das A einsilbiger Wörter im Plural zu Ä wird.

Am Abend kommt L.

240317

Junge Männer, die bei Galerien arbeiten, müssen bildhübsch sein.

Als ich mich in der dritten Galerie durch die Masse schlängle, sagt ein alter Mann, dessen Gesicht ungefähr 10 Zentimeter vor meinem ist ›Hallo‹. Ich habe überhaupt keine Lust zu reden, wenn der Verdacht eines Gesprächs wegen meiner noch andauernden Jugend im Raum steht. (Was gäbe es sonst für einen Grund zu reden, in so einer Masse, ohne sich zu kennen. Eine richtige Begegnung ist bei so einem Trubel eh nicht möglich)

Später sind wir noch in einer Galerie

Noch später stößt C zu uns. Wir sitzen zwischen Nollendorfplatz und Winterfeldplatz. Junge Haltung (Ich sitze auf dem Boden). L druckt ein Foto mal vier am Kopierer im Späti aus.

240317 Äthipischer Jazz, nach dem Schwimmen.

Nach einer Stunde Wasser komme ich verfroren nach Hause. Ich höre Ts Video von gestern Abend auf YouTube und lande dann zu Äthipischem Jazz weitergeleitet. C telefoniert und ich will eigentlich lernen, aber Äthiopischer Jazz ist auch toll. Ich überlege, wer mir kürzlich davon erzählt hatte.

240216 Samstag

Weil es (fast) regnet, fahre ich mit dem Auto in den Wedding, um den nächsten Mayrhöfer-Band abuholen. Ich parke am Straßenrand auf der Straßenseite gegenüber, überquere die Straße und drücke mich an einem Porsche vorbei auf den anderen Gehsteig.

Drinnen lacht mich ich das Buch einer chilenischen Autoren an. Es erinnert mich an Max Frischs Fragebogen. Auf dem Rückweg zum Auto, gucke ich, ob der Porsche einen Bewohnerparkausweis hat. Zumindest der Antrag liegt hinter der Windschutzscheibe. Henning X – ein mittelalter Yuppie, der gerade nach Berlin, direkt in den Wedding gezogen ist. Aber: schönes Auto!

Ich fahre von der Nazarethzkirchstraße auf die Müllerstraße. Die Autos auf der Müllerstraße haben Vorfahrt. Ich warte. Vor mir überquert ein Mann die Straße. Er lächelt mich an und wirft mir einen Luftkuss zu. Ich schaue ihm hinterher und ärgere mich stumm.

240310

Wir schlendern über den Flohmarkt.

Ich erinnere mich. Als ich vor (gefühlt) vielen Jahren hier herzog, ging ich auf Flohmärkte, kaufte Unmengen an Kleidung und hatte Freude daran, sie zu tragen. Heute stehe ich vor den Kleiderstangen, finde alles ein bisschen langweilig und hätte am liebsten nur eine Hand voll Blusen und Hosen, die alle zusammenpassen, damit ich immer gut aussehe, ohne mir darüber Gedanken zu machen.

Die sechs Flohmarktbesucher gruppiere sich zu drei Paaren. Die Paare bestehen klassisch hetero aus einem Mann und einer Frau. Die Mitglieder der Paare ähneln sich: Was sie schön finden, wie sie sind, wie sie aussehen, was sie haben wollen.Ein Mann kriegt von seiner Frau Ärger, als er »Dönermann« sagt. »Frauen sollen Döner verkaufen dürfen!«, sagt sie. Wir beobachten eine kindergartenreife Standpauke um ein Wort.

Ich interessiere mich für ein Calvin-Klein-Shirt, aber es kostete 12 Euro. Wenn man eine Straße weiter etwas auf der Straße findet, ist das kein guter Preis. Als ich diesen Satz wiederlese denke ich an das alles dominierende Geld. Es möge verschwinden.

Wir1 fahren nach Hause und entdeckenn beim Essen der Domke-Wanderbulette auf einer Bank auf der Karl-Marx-Allee hinter uns ein zauberhaftes Café, dessen Mitarbeiter sehr nett sind. Vorm Eingang steht eine Tafel: falls jemand Hunger hat, aber kein Geld, werde man eine Lösung finden. Drinnen hängen bunte Bilder an der Wand. Ein Tisch neben uns spielt Rummikub. Eine alte Frau  möchte sich ein weiteres Kissen von den Stühlen draußen holen. C übernimmt und besorgt das Kissen. Sie erzählt irgendwas von den Proportionen. Sie sitzt auf einem kleinen Stapel an Kissen. Die Echtheit dieses Ortes im Gegenzug zu der fehlenden Echtheit der Kneipe gestern, bei der ich an den Armen der anderen Anwesenden ebenfalls teure Uhren sah. Die Vorliebe für falsche Orte, weil sie cool sind. Ich sehe kritisch auf die Sache. Ein Stückchen der eineinhalb Stücke Downauwelle mit einer dicken Schicht Schokolade auf meiner Gabel.

Später, im ehemaligen Osten, Zeiss-Großplanetarium. Unter einen er blauen Kuppel, auf der bunte Lichter liegen. Herzlich willkommen! Über uns ist alles blau. Das Sternenei in der Mitte, die Vorlage für die projizierten Bilder. Der große rote Fleck auf dem Jupiter. Der Jupiter ist der Türsteher, der Staubsauger der Erde. Ein Durchdringen der Galaxien. Die Frau spricht, die Projektion läuft. Ich denke an Lesungen, die bestimmt toll wären, unter dem wabern der Galaxie.

  1. Das wir kommt mir leicht über die Lippen. []

240311

Nach der Bib fahre ich noch in die Arbeit. »Karma goes as a circle«, sagt die Frau, deren Art zu sprechen mich sehr an AM von der Personalstelle der weißensee kunsthochschule berlin erinnert. Das Karma geht im Kreis. Ich werde auch, … sagt sie. Es wird zurückkommen. Ich tausche 60 Cent gegen einen Euro, damit die Frau ihre Sachen im Schwimmbad einsperren kann.

Im James Simon schwimmen viele gepflegten Körpern, die sobald sie das Schwimmbad verlassen ihre Handys zücken auf auf englisch sprechen.

Am Morgen darauf habe ich Muskelkater.

240308

Mit der Sprache und dem Text haben wir uns dem ernsthaftesten Medium überhaupt zugewandt. Es ist so ernstzunehmend, dass es im Gegensatz zu anderen Medien nationale Archivierungsrichtlinien gibt.

Die Stimme in meinem inneren Kopf beginnt zu sprechen, als ich in der Sonne sitze und einen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne einschenke. Sie erinnert sich an ihren ersten Besuch im Grimm-Zentrum vor 6 oder 7 Jahren, nachdem sie die Insitution eigentlich abgelehnt hatte. Heue – 6 oder 7 Jahre später – gibt es nicht nur ein anderes Schließfachsystem, sie weiß um das Verhalten in Bibliotheken. Die Stimme spricht weiter: Was das Interessante an Text ist, ist die manifestierte innere Stimme eiene:r Andere:n. Lesen ist wie zuhören. Manifestierte Informationen. Das ist interessant. In meinem Kopf vermischen sich die Lerninhalte mit der E-mail an SK, dem aufgebrachten Gespräch des Obdachlosen unter der Brücke mit sich selbst und der Sonne: Der Topf mit Kartoffeln und die eigene Tochter, davon hatte er gesprochen. SK will unseren Text klarer machen als unsere Köpfe sind. Ich weiß nicht sicher, aus welchem Grund ich gegen die Verbesserungsvorschläge bin.

Gestern fragt M, ob der Mann, der jeden Tag kommt und seine Sachen im Spind 18 deponiert, denn eigentlich hier studiere. Erst da fällt mir auf, dass er, die Arme auf dem Tisch abgelegt hat und schläft, dass er ungewaschen riecht und nichts macht den Tag über. Wer tagsüber nichts macht, der arbeitet nicht. A lässt ihn. Das ist gut. Später saß ich noch in der Sonne und schloss mich der kleinen Gruppe an, die ihre Familie über das Halle-Leipzig-Berlin-Dreieck zusammenbringen möchte. Es ist eigentlich deine Familie, V. Ich wäre in der Familie nur eine Cousine dritten Grades, die fast niemanden kennt.

240303

Alle Augen sind auf das Kind gerichtet. So soll es sein! Der Papa bezahlt (gestern), heute hat er einen Kater und döst immer wieder weg. Einer sagt ›Bobberl‹, der andere ›das Kind‹. Ich freue mich, dass ich auch mal halten darf und bestaune den kleinen Körper, der gerade noch so viel braucht und noch so viel lernen wird.

 

240229

»Un petit café noir et un croissant.«

»Machen wir.«

Französisch-Sprechen ähnlich einer Dehnübung für Mund und Kopf … ensemble.

Ein bisschen traurig fahre ich aus Lichtenberg nach Hause und beruhige mich bei der sich selbst kommentierenden Frau in dem französischen Café.1

  1. Als ich es 240311 auf Google Maps suche, finde ich es nicht. []

240228 in der AGB

Ich sitze an der AGB. Der Mann mit dem Tuch auf dem Tisch, von dem N kürzlich erzählt hat, hat mir mit einem kleinen Knicks denn Platz geräumt. Es ist Änderungszeit. Die Paarung der Peers hat begonnen. Gestern schreibt GH eine mail, wie sehr im meine Sachen gefallen haben. Ich freue mich wahnsinnig. Nächsten Montag beginne ich in der Bibliothek

Vor mir liegt ›Screenshots – Literatur im Netz‹ und ›Schreibenlassen – Texte zur Literatur im Digitalen‹.

240209

Meine innere Stimme schweigt. Nur im Traum spricht sie. Ich träume von der eierlegenden Wollmilchsau, einem Huhn, das (A) auf die Regentonne klettern und (B) auf jemands Armen gehalten wird, in einem Garten, den ich nach einer spitze Aufwärtskurve erreiche.

240130

Der verschwommene Mond auf rosa-blauem Himmel vor den Türmen des Frankfurter Tor.

230131 Proprietäres

Vor mir ein Stapel Papier, eine Entscheidung, viel Neues, suche ich nach „proprietären Dateiformaten“ und finde Folgendes: „Textverarbeitungsprogramme sind ein Übel und sollten nicht existieren!

((Albicker, B. (2021, Juni 18). Trennung von Struktur und Design/Inhalt und Layout. private Homepage. https://privat.albicker.org/blog/2021-06-18-struktur-und-design.html. Zugriff am 31.01.2024.))

Draußen hängt Werbung, dass ALG jetzt einfacher zu beantragen wird. Ich schüttle nur den Kopf.

240130

I know, germans who are fare away from home, they miss bread.

(Erzählt bei Kvatiera, ein Mann aus dem Uralgebirge seinen nicht-deutschsprachigen Freunden.

240127

Das Bier perlt. Das Glas ist noch lauwarm. Der Schaum sitzt. Es läuft Schlagermusik. »Das ist genau eure Musik«, hatte einer der Männer am Eingang zu uns gesagt. Die Lampe dreht sich. Der Tabaccoland-Ascher steht auf einem Tischset. Mir wird schwindlig.
Ich bin erleichtert. »Steck dir deine blöden Erdnusschips in den Mund«, heiß der nächste Song. Eine Frau danct ab. Ein Mann gesellt sich zu ihr. Es sollte keine Hierarchie geben, sagt C. Wenn das eine Kind keinen akademischen Weg einschlägt und das andere Akademikerin wird. Ich sehe die zwei Bilder an der Säule an. Das eine hängt zehn Zentimeter über dem anderen. Ich denke an die Fragen der Homöopathen. Auf der banderole an der Wand steht ›i love 80s‹. Es laufen 80er Hits.

Dann läuft Max Raabe. Küüss mich. Küüsen, das gebt auf keinen Fall allleine….

240119

Mein Blick fällt auf eine bunte Plastikblume am Boden.

Ich hab mal gehört, dass man so viele Monate braucht, wie man Jahre zusammen war, um über jemanden hinwegzukommen, sagt P. Und ihr? Seid ihr verliebt. Wir demonstrieren die Liebe: Küsschen auf die Backe. Ah so! erste große Liebe?

Abends flogen am Alex wieder Krähen. Wir treffen uns Unter den Linden und laufen ein Stück zu Fuß. Das Gefühl der Sinnlosigkeit braucht einige Kilometer, bis es verschwindet. Jannowitzbrücke steigen wir ein.

240116

Als ich mich in der AGB neben einen Mann setze, der eine Packung Käse im Rucksack und eine die Schraubdeckeltasse seiner Thermoskanne vor sich stehen hat, merke ich erst, dass ich jemandem zu nahe getreten bin, als er von Frauengefängnissen anfängt zu sprechen und die Frage in den Raum wirft, wer sich das eigentlich leisten könne.

Der Bibliotheksmitarbeiter hebt den Kopf und springt auf.

Als ich frage, ob ich ihn störe und lieber den Platz wechseln soll, hört mich nicht.

C schickt ein Bild von F: B. Kunz, 3-Zimmer-Wohnung in München. Leider bin das nicht ich.

231121 Farben, zehn Finger

Ich beuge mich vor. durch das einfache Glas der doppelt verglasten Fenster wirken flimmern die Falten des Umhangs der Steinfigur. Ich richte mich auf und sehe den dunkelblauen Hintergrund der an  die Wand projizierten Folien. Ich tippe mit 20 Fingern. ich denke an l, dessen Vater genau wie meine Eltern, ihn  zum Zehnnfingerschreibkurs geschickt hat. Die Professorin kommt zurück. In der Hand trägt sie eine blaue Wasserfalsche. Neben meinem Macbook steht eine ebenfalls blaue Wasserflasche. Vor mir nur Nichtfarben und Bordeux.

Hier: Dorotheenstraße 26

240103 flüssig / fest

Die Verwässerunng kickt. Auch, weil ich nicht an einem Ort arbeite. Versinken, wie es Mayröcker mit ihrem ›Maschinchen‹ tut, ist kaum möglich, stattdessen schwimme ich im Digitalen.

»Die Liquidierung der Realität, die sich in ihrer finiten Substanz auf und von ihrer materialen Fixiertheit loslöst, gehört zu den offensichtlischsten Umwälzungen der Gegenwart. Wer Texte am Computer schreibt, sie auf Tablets liest oder in der Cloud bearbeitet, ohne sie je zu Tinte und Papier werden zu lassen, hat an dieser Verflüssigung ebenso Teil wie diejenigen, die sich an einem fremden Ort auf die GPS-Funktion ihres Smartphones verlässt, statt sich durch die Patentfaltung gedruckter Stadtpläne zu wursteln.«1

Ganz anders Mayröcker in »fleurs« S. 24: »nie wollte ich auf Wanderschaft = Nomadenschaft gehen (mit einem Säckchen BLEIBTREU BASILIKUM BASISLEKTÜRE auf meinen Schultern …….. so lebte ich hin mit den Sonnenuntergängen im Westfenster, betete viel –‹«

 

  1. Bajohr, H. (2022). Schreibenlassen – Texte zur Literatur im Digitalen (1. Aufl.). S. 18. August Verlag.  []

230103 KFZ-Steuer

„191 Euro“ KFZ-Steuer. Nicht für mein Traumauto, aber für einen Oldtimer.1

  1. Hier berechnet: https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Service/Apps_Rechner/KfzRechner/KfzRechner.html []

231231 Holistische Ansätze

Auch einige Tage nach der Besichtigung der Firma, tröpfeln die Erkenntnisse nach und nach ein:

– manchmal sind holistische Ansätze nötig

– eine externe Gestaltung (damit meine ich die nicht die intrinsische, beiläufige Gestaltung, die allem innewohnt, das gemacht wird) ist nur konsequent, wenn sie holistisch angewandt wird.

– wenn sie nicht konsequent ist, ist sie nicht nötig.

→  externe Gestaltung muss holistisch betrieben wird.

– gibt es den Punkt, ab dem externe Gestaltung notwendig wird? (Ich vermute nicht, dass es (A) mit den Kommunikationswegen ab einer gewissen Firmengröße zu tun hat. Ich vermute (B) auch, dass ein gestaltetes Äußeres in manchen Branchen wichtiger ist als in anderen.)

Versteht man mich? Die Frage, ob und an welchem Ort Gestaltung nötig ist, haben wir uns noch gar nicht gestellt – obwohl wir so viel Zeit hatten. Aber jetzt ist endlich mal Zeit und die Frage geht raus an die Welt und vor allem an mich. Gestern: Steuererklärung. Hier wäre eine bessere Gestaltung dringend nötig gewesen. Und zwar eine Gestaltung die alles radikal einfach macht.

231231 Nachtrag (undatiert)

Als ich das Haus betrete, riecht es nach Feuer.

Schreiben, wenn man nicht zuhause ist (auf einen Fetzen Papier aus Cs Mülleimer).

231221 Nachtrag (undatiert)

I wrote a book while I was sick.

Anders als in den anderen Disziplinen, wird in der Kunst abekupfert, zitiert.

231230 Nachtrag (undatiert)

Nachts wache ich auf und friere. Was soll noch kommen. Das Reden um die biologische Uhr nervt. Der Mond ist wieder gewandert.

 

231230 Nachtrag (undatiert)

Ms Bücher haben Flecken. Feinheit ist nicht so seins, aber Konzept.

231230

Als ich einen alten Beitrag veröffentliche, der aus irgendwelchen Gründen noch bei den Entwürfen lag, stelle ich fest, dass ich etwas nicht notiert habe: Das gewinnende Lächeln, des großen Mannes vor mir, dem ich nichts entgegnete.

231230 Erinnerung

Beim Aufräumen finde ich einen Traum vom Oktober. Als ich Stück für Stück die Absätze entziffere, die ich durcheinander, aber durchnummeriert auf die Rückseite zweier Hälften einer auseinandergerissenen Nudelpackung geschrieben habe, fange ich an, mich an einen Traum zu erinnern, als ob ich ihn wirklich erlebt hätte. (FÜR DIE ERINNERUNG IST ALLES GLEICH.)

231226 Traum

Ich bin alleine im Haus meiner Eltern. Ich beschließe die Schildkröte zu füttern und verlasse das Haus durch die Haustüre, stehe ein wenig vor Küchen- und Esszimmerfenster und gehe weiter zur Schildkröte. Sie sieht nicht gut aus. Hat einen weißen Kopf und rennt ein wenig zoodumm1 durch die Gegend., Die arme. ich lasse sie laufen. Da kommt ein ferngesteuertes Auto. Ich unterhalte mich mit dem Besitzer, einem kleinen Jungen.

  1. ich lobe dieses Wort aus meinem Traum: zoodumm oder apathisch, lethargisch, es gibt noch ein anderes Wort, das mir nicht einfällt und auch auf die Psychatrie-Filme der 1960er zutrifft []

231220 Curry 36

Bei Curry 36 treffe ich eine indische Prinzessin, die fast alles kann und trotzdem keinen Job findet. Ich pike ein Scheibchen meiner Currywurst auf den Holzpiekser. Frauenrunde am Stehtisch. Als die andere Frauen verschwunden ist, quatscht mich die indische Prinzessin an. Bist du deutsch? Bin ich. Dann fragt sie mich, ob ich arbeite und studiere. Beides antworte ich. Ob sie hier lebt oder für einen Urlaub hier ist? Sie macht ihren Master. Dann fängt sie an. Sie zählt auf, was sie alles kann. In welchem Feld ich arbeite? Grafikdesign, sag ich. Das kann sie auch. Sie kann UX-Design, Logos, Branding und Social-Media-Kontent-Management. Sagt dir das was? Ich nicke. Bist du auf LinkedIn? Ne bin ich nicht, sag ich, obwohl ich auf LinkedIn bin, aber das Konto wollte ich eh löschen.

(Am Telefon sagt P, man solle sich auf etwas konzentrieren, das Geld bringt, statt etwas, wo auch Rentner arbeiten können.)

231218 Mond

Die 20 Minuten, die ich am Kuhdamm auf C warte, wandert der Mond zehn Zentimeter nach rechts.

231218 Fast-Food-Bäcker

Ein kleiner Kaffee und zwei Croissants für 1,20€! Die Croissants sind außen knusprig und innen weich. Zuerst überlege ich mir, dass ich nur eines der beiden esse, aber dann entscheide ich mich doch anders. Während ich die Croissants esse, setzt sich ein kleiner, runder Mann (vs. große, lange Frau = ich) an meinen Tisch. Als er fertig gegessen hat, zieht er ein Flacon aus seiner Jackentasche, sprüht eine Flüssigkeit auf seine Serviette und wischt sich damit Hände und Mund ab.
Ich erinnere mich an eine Zeit, in der alles möglich war. „Langsam beginnt sich der Möglichkeitsraum zu schließen.“ Sich trotzdem manchmal die Möglichkeit offen zu halten, einen Vormittag auf der Müllerstraße rumzusandeln, bereitet mir große Freude. [Ganz anders als bei Wohnungslosen beinhaltet das Sandeln das Heimkehren. Mit Schrecken sehe ich dem 1.4. entgegen. Da will D wieder in die Wohnung. Ich muss raus. Bis jetzt keine Wohnung in Ausblick. Sind ja (Nur) noch 3 Monate.]

231213

Auch irgendwie absurd, dass auf zalando prime Produkte künstlich verknappt werden.

231205

Ich sitze auf dem Boden und male auf die Rückseite eines alten Kalenderblatts. Ich male ein Auto, das entgegen der Zeit fährt. Im Radio ist die experimentelle Musik mittlerweile von sehr klassischer Musik abgelöst worden.

Vor wenigen Tagen beschlossen, dass ich meine Mappe an Kind und Werk (Ursprung der Professionalisierung) als Anschuungsobjekt geben möchte. Ich schreibe E um Ks Kontakt. E schreibt freudig zurück. Ich schreibe K. Sie schreibt ebenso freudig zurück.

Die getrocknete Gouache-Farbe fühlt sich gut an.

Ich überlege, ob nicht doch eine Kinderkunstschule ein Ort für mich sein könnte.

231128 An einem Montag, als ich nach dem Schwimmen E und C in einer Bar in Neukölln besuche

Der Mann hinter mir war mir schon die ganze Zeit negativ aufgefallen. Mit dabei hat er einen jungen Hund, der zitternd und knurrend vor Angst unter dem Barhocker seines Besitzers liegt. Sprechen tut er nur Schlechtes, über Schwulen, über seinen Vermieter. Er ist um die dreißig, trägt schwarze Klamotten, eine schwarze Mütze und hat lackierte Fingernägel. Ich bin verwundert, dass das Zeichen, das vor Kurzen noch von aufgeklärter Männlichkeit zeugte, die sich frech weiblichen Codes annimmt, offensichtlich jetzt auch bei Homophoben angekommen ist.
Als es um ein weiteres Bier geht, möchte ich lieber nach Hause. C kommt mit und E fängt an, mit meinem Hintermann Kontakt aufzunehmen. Ob er noch ein Bier trinken will? Will er und außerdem sagt er zu C, er solle doch auch lieber ein Bier noch trinken, nicht mit mir nach Hause gehen, sondern wenn überhaupt nur mit mir Sex haben. Ich bin entsetzt. Mit mir spricht der Mann nicht. Auch nicht, als ich beginne mit ihm zu sprechen. Nur mit den Männern spricht er. Außerdem versteht er nicht, was sie sagen. Immer wieder sagt er, C solle mich zwischen die Beine nehmen. Was für ein Ausdruck. Als C sagt, das beleidigt mich, meint er nur: Ob wir denn nicht miteinander schlafen?
Ich sehe schon einen Kampf, bei dem der andere Mann gleich neben seinem Hund auf dem Boden der Bar liegt.

Die Luft der Kneipe hängt auch 8 Stunden später noch in meiner Jacke.

(Zwei Figuren mit Hut und zwei Schachteln Zigaretten)

231128 Klau

Anderswo wird nicht gestohlen.

231126

„Knausgård gründete 2010 mit den ersten Einnahmen aus seinem Min Kamp-Zyklus den kleinen Pelikan-Verlag, in dem er unter anderem Bücher von Christian Kracht und Peter Handke auf Norwegisch herausgibt.“, lese ich auf Wikipedia. 

Ich sitze in der AGB und schreibe Leseprotokolle, die ich lange vor mir aufgeschoben habe.

231125

Während C sich aufwärmt, sehe ich anderen Menschen beim Kämpfen zu. Über dem Mundschutz der Kämpfer spannen ihre Lippen. Beim Verlassen der Matte schlüpfen sie in ihre Schlappen. Sie haben breite Rücken und enge T-shirts. Es gibt viele flache Gesichter und knorpelige Ohren.

Die Schiedsrichterin an der linken Matte steht mit breiten Beinen da
Ein Mann hält ein Taschentuch an seine blutende Nase.
An den Matten stehen Tische, auf denen Laptops stehen, an denen kleine Jungs mit Kappen sitzen und die Punkte eintragen, die die Schiedsrichter anzeigen.

Lang liegen die Körper im Kampf auf der Matte.

„Ist es dein Freund?“, fragt einer von denen, die ein MMA-shirt tragen. Hat der nen Coach?“

Was ist ein Coach?

Ich komme nicht dazu zu antworten, da hat er sich schon an C gewandt. Sitzt auf dem Stuhle neben dem Tisch und gibt ihm Anweisungen, was zu tun sei.

Lang liegen sie Körper auf der Matte.

Zwischen den Kämpfen telefoniert C mit L und fragt: „Wie geht es euch?“ J ist nicht da. L ist langweilig. Ich richte Grüße aus.

Im Traum klingt meine Stimme wie wenn ich schreibe. Ich denke an Siri Husvedt und die innere Stimme, von der sie spricht. Sie kommentiert alles.

In der Pause machen wir einen langen Spaziergang und sitzen dann im Sportclub Siemensstadt. Ich sehe den Kindern beim Schwimmen zu. Vom Beckenrand liegt eine lange Matte ins Wasser. Die Kinder laufen auf der wabernden Matte entlang und springen am Ende ins Wasser.

Gekrümmt kommen die Körper auf dem Wasser auf.

Ich träume von Cs Familie. F ist hochschwanger. Der Vater spricht von seiner Firma. Ich wache
mit dem Satz auf den Lippen auf, dass es auf jeden Fall Qualitätssicherung braucht.

Zwei Bänke nebenan sitzen zwei Männer, von denen einer auf einer fremden Sprache spricht, während er vom Anderen gefilmt wird. Hinter mir geht eine Gruppe mit Schweißgeruch vorbei und spricht von ihrer Strategie.

Das Schwimmbecken hat kurze Bahnen. Später google ich die Länge der Bahnen und komme zu dem Ergebnis, dass es kürzer als eine Kurzbahn sein muss: ein Lehrschwimmbecken.

Die Kämpfe sind nichts anderes als Gladiatorenkämpfe.

Ich erinnere mich an den Lateinunterricht und das grenzenlose Unverständnis für die brutalen Kämpfe der Gladiatoren. Warum sollte jemand so was tun. Hier sitze ich nun und sehe, wie sich Männer und Frauen tänzeln gegenüber stehen, bis einer unter dem anderen liegt und so lange gewürgt oder gedreht wird, bis er ein Zeichen gibt, dass er es nicht mehr aufhört.

C duscht.

Ich sitze auf hellgelben Linoleum. An mir bewegen sich kräftige Männer- und Frauenkörper vorbei. Sie tragen Adiletten und Sportklamotten. Mein Körper kommt mir schwach und steif vor.

Später, in der Philharmonie sind die billigen Plätze schon voll.

Mir fallen die Augen zu.

231121

Ich beuge mich vor. durch das einfache Glas der doppelt verglasten Fenster wirken flimmern die Falten des Umhangs der Steinfigur. Ich richte mich auf. Ich sehe den dunkelblauen Hintergrund der an  die Wand projizierten Folien. Ich tippe mit 20 Fingern. Ich denke an L, dessen Vater ihn – genau wie mein Vater mich – als Kind zum Zehnfingerschreibkurs geschickt hat. Die Professorin kommt zurück. In der Hand trägt sie eine blaue Wasserflasche. Neben meinem Macbook steht eine ebenfalls blaue Wasserfalsche. Vor mir nur Nichtfarben und Bordeux.