Schlagwort: Toulouse

221114

Und dann rauche ich mehr oder weniger heimlich eine Zigarette am offenen Fenster. A hat eine wesentlich rebellischere Attitüde als ich:

Solange wir niemandem wehtun
Solange niemand kommt und sagt: Arrêtez, rauchen
wir weiter. als
dann doch jemand kommt, ver
stecken wir die Kippen
am Sims.
als ob man den
Rauch nicht riechen würde

(Man darf im Übrigen auch keinen Alkohol trinken in der Uni: C’est interdit.)

221106

Ich glaube mein Lieblingscafé gefunden zu haben. Ich sitze unbeobachtet in dem Spielcafé an der Ecke Pont Michel / auf meiner Flusseite. Abgesehen von mir ist nur noch eine weiterer weiblicher Gast und die Frau an der Tabakkasse hier. die Frau hat im Gegensatz zu den Männrneine äußerst verkrampfte Körperhaltung. Bekommt ihr das Spielen nichtß
Fast alle der männer tragen Caps.

Ich sitze unter dem Bildschirm, auf dem die Zahlen angezeigt werden.
Irgendwann setzt sich ein zahnlückiger Mann gegenüber. Er dreht sich weg. Sein Freund sagt, er stellt ihn hier ab, ich solle auf ihn aufpassen und ich solle Bescheid geben, wenn ich gehe. Was für eine ansage. Ich soll auf diesen fremden Mann aufpassen.
Aus den Gesprächen der Männer schnappe ich ein ›artiste‹ auf. Laut vermischen sich die französischen Stimmen mit Musik und der Kommentatorstimme des Pferderennens. Ebenso laut steht die Aufforderung ›Jouez!‹ an der Wand. Hier in Frankreich beginnen die Sätze mit großen Buchstaben, sagt der Stempelmacher.

Der Mann fragt ein paar Sachen, ob ich hier studiere, ob ich einen Freund habe, wo der ist. ›Zuhause‹ sage ich und fange verliebt an zu grinsen. wo zuhause? Hier zuhause oder zuhause-zuhause. Zuhause-zuhause.
Ich trinke einen Allongé und esse einen bretonischen Kuchen.Als der Mann von der Theke mir den Café bringt, fragt er mich, woher ich komme. Er habe gehört, dass ich nicht von hier komme. Aus Deutschland sage ich.

Später mache ich n eine Sprachnachricht, in der ich ihr von der Physiognomie erzähle, die so anders ist als meine. Bzw. ich bin die, die anders ist und manchmal sehe ich nicht-französische Gesichter und sie fallen mir auf und ich frage mich, woher sie kommen.
In Deutschland sind die Menschen größer.Der Bretonische Kuchen schmeckt anders als erwartet nicht nach Zitrone, sondern nach Marzipan.

221006

It’s important to know Jeff Koons

221006

I drank two beer before i went here. (Max, bevor er zur Uni kommt.)

221006 Tartar zum Frühstück

Willst du ein Tartar zum Frühstück ?
Eine Schüssel nur mit Muscheln. Nur Muscheln, riesig, mehr Öl als Frutti die Mare.

221000 (Datum ungekannt

Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass Kunstgeschichte interessant sein könnte. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich mitschrieb, aktiv zuhörte, in wilden Assoziationsketten verschwand, wenn der Prof auf Französisch Zitate runterratterte. Erst hier fällt mir auf, wie ungünstig eine Hand vor einem Sprechenden Mund ist. Erst hier fällt mir auf, dass das Formen der Worte wirklich wichtig ist.

Ich denke an C.

Wir befinden uns in einem inneren Geistezustand. In einer Künstlerresidenz, gar nicht weit von hier.

Verschwinden die Ausstellungen und weichen den Residenzen? Ist es das, was der Prof hatte sagen wollen? Warum man die Residenzen macht? Rat, Aufmerksamkeit, … All das gibt es auf einer Residenz. (In Frankreich ist es noch in bisschen üblicher als in Deutschland, kommt mir vor). Professionalität heißt nicht Erfahrung, sondern Verkaufbarkeit. Möglichkeit. Bei einer Residenz steht das Machen im Vordergrund. Mais: Ce n‘est pas interdit.

Öffentlichkeit vs. Zeit mit Kunst. Die starke institutionelle Identität iner Gallerie vs. Typ Laboratorium. Ça fait partie du jeu.

Das gehört also dazu. Ein Arrangieren mit dem Spiel, das kann noch ein bisschen dauern, bis der jugendliche Widerstand (ein Neu-sein irgendwo) verschwindet.

Die Abwesenheit der Künstler.

Immersive Praktiken. Auch in der Sprache: Die Sprache der Werbung.

»Wer hat von Ihnen schon mal seine Karriere gedacht?«
»Öh, hm, wir alle.«
»Und dann haben wir schnell wieder aufgehört.«
»Keine Lust auf Enttäuschungen« (»Ich sehe meiner Zukunft nicht besonders freudig entgegen, sagt B.« »Ahja, mais pourquoi?«)

Wie viele Millionen google-Ergebnisse es für den Schlüsselbegriff ›exposition‹ gibt: unglaublich.

Auch wenn die Krise1 2019 eine große Auswirkung auf  das Ausstellen hatte.

Exposer – comprendre le verbe avant son resultat: (LINK) mettre en vue, présanter en regard.

Ich denke an Senthuran V., der in einem Interview davon spricht, dass dieses Buch nicht hätte ausgestellt werden.

  1. ?
  2. Exposer, das heißt auch: Kritik ausgesetzt sein. (Wie viele Leinwände liegen unausgestellt im Atelier des Künstlers)
  3. Exposer un enfant
  4. ?
  5. ?
  6. ?
  7. Exposer un batiment au sud (p. ex., classiquement)
    (Hier gibt es eine Symmtrie: Ein Gebäude kann nur in eine Richtung ausgerichtet sein. Automatisch sind die ausgestellten Gegenstände auch Konkurrenten. Daraus folgen unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs.

Es stellte sich heraus, dass Kunstgeschichte eine sprachliche Abhandlung eienes Verbs war.

Sehr schön!

  1. Seitdem dieses Wort ›Krise‹ in einem Buch aus dem letzten Jahrhundert gefunden habe, in der es um irgendeine Krise in den 1960ern ging, erscheint mir das Wort noch ein bisschen abgenutzter, als es mir eh schon erschienen ist []

220928 Dans la nuit

j’essaie à dormir, ce que ne fonctionne pas. je mets la plui. la plue vrai et la pluie de ma téléphone. In Toulouse sitzt man nicht in Kaffeehäusern. Nur noch zwei Wochen, dann werde ich mich an die neue Umgbung gewohnt haben. Dass ein Text ebenfalls ein mis en space ist, sehen die Künstler nicht. 

220924 nochmal/wieder, tranquille

encore
une fois

encore une fois

H und ich sitzen an der Garonne – tranquille. Wir sprechen nicht über Menstruationsurlaub, weil meine Empfindlichkeit sich an der Empfindlichkeit  stört. Am Montag gehts wieder los. Am Wochenende hat die Uni in Toulouse zu.

220923 Verbenen, Wasser, Wein

der erste Wein, den ich in Frankreich kaufe ist

[A] Merlot
[B] der gleiche, den wir beim Campen dabei hatten
[C] alkoholfrei. um diese Frage zu beantworten, setzt der Mann den Telfonjoker ein.

als ich den Tee ›Verveine‹ in der Küche sehe, fällt mir wieder ein, dass Lorane vor ihrem Küchenfenster einen Verbeinen-strauch wachsen hat. dieses Kraut gibt es in Deutschland nicht.

ich beginne, süßen Kaffee zu trinken.

mag den Geschmack des Wassers. bin überrascht, dass L kurze blonde und nicht erwartet lange braune Haare hat.

220918 Katze, Malve, Herbst.

zwei rechts, einer links. daran bleib ich hängen an ein- und zweispurigem Verkehr. gleichzeitig bin ich traurig, als L schreibt viel Spaß in Toulouse. sie soll C für mich drücken. ich versinke in diesem Gedanken, dass ich nicht da bin. dann stelle ich auch noch fest, dass ich das Spielen verloren habe.1

ich gehe die Straße lang. irgendwann, als ich feststelle, dass hier wohl kein Bäckerei mehr kommt, drehe mich um, überhole zum zweiten Mal eine alte Frau, der das gehen nicht leicht fällt. ich denke an meine Oma.
ich kaufe ein Croissant.
ich trage eine kurze Hose, aber es ist kalt.
die Frau macht halt und erzählt was. ich verstehe nur die Hälfte.
als ich ihr sage, dass ich nicht so gut Französisch spreche, macht sie kurz langsam und dann wieder schnell. ich halte mein handy in der Hand. ich denke: ich werde mich zwingen die Zeit zu genießen.

liegen die
Malven wie
tote Engel

Larven am Boden. oben
ihre Kinder die
blühen noch

sitzt ein mann im Erdgeschoss und lässt seine Katze raushängen

  1. keine Sorge. wenige Monate später habe ich es wiedergefunden. Manchmal versteckt es sich. []

220909 ich träume

dass ich mit D? und M? (oder waren es L oder C?) nach Toulouse fahre. aber wir fahren am 17.! und nicht am 14.

wir fahren über Köln. in Köln Pause. ich fahre ich mit dem Rad zum Bahnhof. ein kleiner Junge tatscht mich am Knie. ein Mann ruft hinterher: »der will was klaun!« – »dacht ich mir schon«, ruf ich zurück.

30.11. / 1.12. Tag 1 Liebermann-At.

ich denke an nichts – weil uns nichts wichtig ist. ich denke an letzten Sommer und die Tageslichtlampe, die ich mir jeden Jahr überlege zu kaufen. am letzten möglichen Tag schicke ich die Bewerbung für Toulouse ab und nur, weil E klang als ob sie doch gerne gegangen wäre und sich lieber nicht von äußeren Zwängen zum Bleiben hätte verleiten lassen. die Bewerbung ist unfassbar chaotisch und ich hoffe, dass sie nicht zu viele Menschen in die Finger bekommen. am So treffe ich L und F. Fs Kollege hatte doch kein Corona, ein Glück.

die Ansage der Ringbahn klingt wie eine Geisterbahnansage. Kichern auf den vorderen Sitzen.

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der Ladekreis dreht sich.

ich finde einen Falter und denke an A.
später liegt im Innenhof ein abgestürztes Voglehäuschen. wo das wohl festgemacht war?